Zeitung Heute : Arafat beschimpft Scharon als Nazi

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Nach Angaben Scharons wird Arafat jedoch eine Rückkehr nicht garantiert, sollte es in seiner Abwesenheit zu einem großen Terroranschlag kommen. Im US-Fernsehsender ABC betonte Scharon, Israel plane zum eigenen Schutz eine 1000 Kilometer lange Pufferzone zu den Palästinensergebieten.

Der Plan der Vereinten Nationen, die blutigen Vorgänge im palästinensischen Flüchtlingslager Dschenin zu prüfen, ist endgültig gescheitert. Nach UN-Generalsekretär Kofi Annan wollte sich auch der Weltsicherheitsrat für die Auflösung der Dschenin-Kommission aussprechen. Die Mitglieder des höchsten UN-Entscheidungsgremiums bedauerten Israels Mangel an Zusammenarbeit bei neunstündigen Marathonberatungen in der Nacht. Außenminister Joschka Fischer sagte in Washington: „Ich bedaure zutiefst, dass es zu keiner Einigung gekommen ist. Die Arbeit der Kommission hätte im Interesse Israels gelegen.“ Derweil gab die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in New York bekannt, dass sie bei einwöchigen Ermittlungen in Dschenin Beweise für Kriegsverbrechen des israelischen Militärs gefunden hat. Für den Vorwurf der Palästinenser, Israel habe ein Massaker an Hunderten von Zivilisten verübt, habe man aber keine Bestätigung gefunden. Das Team von Human Rights Watch habe insgesamt 52 palästinensische Todesopfer identifiziert, davon 22 Zivilisten. Viele Zivilisten seien absichtlich getötet worden oder umgekommen, weil sie als menschliche Schutzschilde benutzt wurden.

Der deutsche Außenminister, der sich seit vier Tagen zu politischen Gesprächen in den USA aufhält, sagte zur Lagen im Nahen Osten: „Irgendetwas muss jetzt passieren. Es muss eine Form der Trennung geben. Man muss die Trennung aber an eine politische Perspektive koppeln.“ In der kommenden Woche wird Israels Ministerpräsident Ariel Scharon mit einem eigenen Teilungsplan nach Washington reisen.

Die israelische Armee legte nach dem Abzug aus Ramallah einen engen Belagerungsring um die Stadt. Zuvor hatten britische und amerikanische Wächter, wie in einem Kompromiss zwischen Israel und den Palästinensern vereinbart, sechs von Israel gesuchte Palästinenser in ein Gefängnis nach Jericho gebracht. Als letzte palästinensische Stadt ist damit nur noch Bethlehem von israelischen Truppen besetzt. In der Geburtskirche halten sich seit dem 2. April Dutzende von Palästinensern verschanzt, darunter auch rund 40 von Israel gesuchte Extremisten. Am Donnerstag gelangten zehn westliche Friedensaktivisten an den israelischen Sperren vorbei in die Geburtskirche. Sie hatten Lebensmittel für die Eingeschlossenen bei sich.

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