Zeitung Heute : Arbeit zu vergeben

Juliane Schäuble

Airbus will 1000 Jobs in Deutschland schaffen, findet hier aber nicht genug kompetente Leute. Wieso können Unternehmen Stellen nicht besetzen, obwohl fünf Millionen Menschen im Land arbeitslos sind?


Der Flugzeugbauer Airbus hat angekündigt, in Deutschland 1000 neue Mitarbeiter einzustellen. Das ist eine gute Nachricht, vor allem im Hinblick auf die fünf Millionen Arbeitslosen hier zu Lande. Gleichzeitig sagte Airbus-Personalchef Jörg Kutzim aber auch, dass es sehr schwierig sei, auf dem deutschen Arbeitsmarkt genügend qualifizierte Bewerber zu finden. Der Flugzeugbauer sucht hauptsächlich Ingenieure der Luft- und Raumfahrttechnik sowie Elektroingenieure – und davon gebe es in Deutschland schlichtweg nicht genug.

Das ist kein Spezialproblem der Luft- und Raumfahrt. Auch andere Branchen haben Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen, sagt Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte beim Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Neben den technisch-naturwissenschaftlich orientierten Berufen seien das vor allem die Gesundheitsdienstleister, also Ärzte, Pfleger oder Therapeuten. Ebenso fehlt es an Führungspersonal. Gesucht werden Manager, „besonders im Bereich Vertrieb und Marketing“, sagt Schäfer.

Der Fachkräftemangel ist ein Problem, das in den kommenden Jahren noch viel größer werden wird. Ein Grund dafür ist die demografische Entwicklung: Die Zahl der Erwerbspersonen wird dramatisch zurückgehen. Noch wird der demografische Effekt abgemildert, durch Zuwanderer und durch die steigende Zahl der erwerbstätigen Frauen in Westdeutschland, heißt es beim Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Aber ab 2010 werde die Lage ernst. Denn dann beginnen die ersten der „Babyboomer“, also der geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1955 und 1970, in Rente zu gehen. Im Jahr 2020, so prognostiziert das Institut, werde es rund 1,5 Millionen weniger Erwerbspersonen geben als noch 2005.

Die Chance, dass die Mehrzahl der Arbeitslosen davon profitieren wird, ist eher gering. Denn dem künftigen Bedarf an Arbeitskräften müssen auch entsprechend qualifizierte Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, schreibt das IAB in einem Bericht. Für die Wirtschaft wird es also schwieriger, ihren Personalbedarf mit geeigneten Leuten zu decken. Das zeigt auch die jüngste Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA): Im Januar hatten 38 Prozent der fünf Millionen Arbeitslosen keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Die hohe Zahl der Ungelernten kann durch Akademiker und Absolventen kaum aufgefangen werden. „Die Studentenzahlen reichen nicht, um den künftigen Bedarf zu decken“, sagt Schäfer. Exemplarisch sei hier das Ingenieurwesen: „Vor zehn Jahren hatten deutsche Ingenieure schlechte Aussichten, einen Job zu finden.“ Obwohl sich die Situation ab 2000 erheblich verbessert habe, habe sich der Zyklus nicht erholt. „Viel zu wenige junge Menschen entscheiden sich für einen technischen Studiengang“, sagt er.

Deutschland ist allerdings kein Einzelfall. Auch andere westliche Industrienationen haben ähnliche Probleme. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung KPMG unter internationalen Führungskräften. Genügend qualifizierte Fachkräfte zu finden stelle für die verarbeitende Industrie weltweit eine der größten Herausforderungen dar, heißt es darin. Werde diese nicht angegangen, werden viele Jobs in Schwellenländer verlagert, warnt Harald von Heynitz, Partner bei KPMG.

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