Zeitung Heute : Arbeiten für Millionen

Deutschlands Manager konnten ihre Gehälter auch 2005 kräftig steigern

Henrik Mortsiefer

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat eine neue Studie über Vorstandsgehälter vorgestellt. Wie gut verdienen deutsche Manager?


Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hätte sich kürzlich gerne eine Gehaltserhöhung um 30 Prozent genehmigt. Gemessen an seinem Jahresgehalt (2005) von knapp 2,3 Millionen Euro (ohne Aktienoptionen) wären das fast 690 000 Euro mehr auf der Lohnsteuerkarte gewesen. Doch es kam bekanntlich anders. Die Gehaltserhöhung wurde abgesagt, weil der öffentliche Druck auf Kleinfeld und Kollegen angesichts der deutschen BenQ-Pleite samt Massenentlassungen zu groß wurde.

Kleinfeld könnte seine Gehaltsvorstellung immerhin damit rechtfertigen, dass er ein unterdurchschnittlich gut bezahlter Dax-Vorstandschef ist. Drei Millionen Euro wurden nämlich im Durchschnitt auf dem Chefsessel eines der 30 Dax-Konzerne im vergangenen Jahr verdient – elf Prozent mehr als 2004. Das ergibt sich aus einer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Montag vorgestellten Studie. Ein normales Vorstandsmitglied kam im Schnitt auf ein fixes Jahressalär von 1,7 Millionen Euro. Bis auf den Reisekonzern Tui haben alle Dax-Unternehmen, die ihren Vorständen die Gehälter erhöhten, auch ihre Ergebnisse verbessert. Kleinfeld übrigens musste im Vergleich zu 2004 eine Gehaltskürzung um 1,3 Millionen Euro hinnehmen, weil der Siemens-Gewinn im Jahresvergleich um ein Drittel schrumpfte.

„Die Vorstände können nicht mehr sagen, dass sie schlecht bezahlt sind“, resümierte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker am Montag. Zumal für 2006 aufgrund der guten Geschäftslage mit weiteren Gehaltssteigerungen zu rechnen sei. Deutschland liegt europaweit inzwischen im oberen Viertel.

Schon länger wettbewerbsfähig dürfte die Bezahlung von Josef Ackermann sein. Der Chef der Deutschen Bank lag mit einem Gehalt von 8,4 Millionen Euro (ohne Aktienoptionen im Wert von mehreren Millionen Euro) 2005 erneut an der Spitze der Topverdiener. Der Abstand zum Gehalt des Zweitplatzierten, Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche (5,2 Millionen), betrug immerhin 3,2 Millionen Euro. Auf Rang drei folgt Henning Kagermann (4,7 Millionen), der Vorstandsvorsitzende des Softwarekonzerns SAP.

Deutsche Bank, Daimler und SAP bezahlten auch ihren Gesamtvorstand am besten. Schlusslichter waren hier die Postbank, bei der ein Vorstand im Durchschnitt 878 184 Euro im Jahr verdiente, die Lufthansa (900 909 Euro) und Infineon (977 000 Euro). Den größten Gehaltssprung machte die Commerzbank, deren Vorstand sich laut DSW ein „Plus von sage und schreibe 175 Prozent“ genehmigte. Die Banker konnten jedoch auch auf ein erfolgreiches Jahr verweisen: der Gewinn je Aktie kletterte um 216 Prozent, der Aktienkurs um 71 Prozent.

Die Aktionärsvertreter der DSW zeigten sich von den Managergehältern angesichts der meist guten Geschäftszahlen nicht sonderlich irritiert. Hauptgeschäftsführer Hocker ermahnte die Unternehmen dennoch, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Unverständlich findet er, dass Konzerne wie Daimler-Chrysler, BMW, BASF, Henkel, Münchener Rück, Linde und Fresenius Medical Care aus den Gehältern noch immer ein Geheimnis machten. Spätestens im Geschäftsbericht 2006 sind die Aktiengesellschaften gesetzlich gezwungen, die Gehälter ihrer Vorstände individuell offen zu legen.

Gehaltsliste im Internet unter:

www.dsw-info.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!