Zeitung Heute : Arbeiten im Ausland: "Die kulturelle Herkunft ist eher nachrangig"

Lotte Scholl-Simon

Mit einer Entsendung für zwei oder mehr Jahre ins Ausland sind Hürden zu überwinden: Sprachbarrieren, Stresssituationen, Unsicherheiten und vor allem ein Kulturschock. Der wird allerdings erst sichtbar und fühlbar, wenn die Expatriates mit Einheimischen interagieren: am Arbeitsplatz, beim Bäcker, am Zeitungskiosk, im Museum oder auf dem Sportplatz. Sich der unterschiedlichen Verhaltenskodexe bewusst zu sein, ist für die Zusammenarbeit und das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen unumgänglich. Die Kenntnis interkultureller Aspekte ist sozusagen die äußere Schale, die vor einer Auslandsentsendung angegangen werden muss. Hier bieten sich interkulturelle Trainings an: Bücherstudium, Videos und Seminare.

Das oft unterschätzte, letztlich aber tragende Element einer sinnvollen Vorbereitung auf eine Auslandstätigkeit verbirgt sich in der darunter liegenden Schicht: in der Fähigkeit zur interpersonalen Kommunikation. Der Grund: Die in der jeweiligen Kultur erworbenen Einstellungen, Verhaltensweisen und Werte werden als Ausrede benutzt. Die Ebene der Gefühle von Angst, Ärger, Trauer ist im Kern allen Kulturen gleich, auch wenn sie sich nach außen anders darstellt. Die zwischenmenschlichen Komponenten wie Offenheit, Klarheit, Authentizität waren, sind und bleiben schlussendlich der Knackpunkt - ob auf beruflicher oder privater Ebene. Die kulturelle Herkunft spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Es sind die "interpersonal skills" wie Zuhören, die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen und ein wirkliches Verlangen nach ehrlicher Kommunikation, die über ein "Ankommen" bei den Menschen in einem anderen Land entscheiden. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind die Basis für Verständnis, Offenheit und Vertrauensbildung. Durch Globalisierung haben immer mehr Menschen mit Menschen aus anderen Kulturen zu tun - im beruflichen wie im persönlichen Leben. Dabei muss vor allem eins gelernt werden: aus der Situation heraus zu handeln. Das geht über Fach- und Sprachkompetenz weit hinaus.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!