Zeitung Heute : Arbeitslosenzahl bald unter 3,5 Millionen?

Bundesagenturchef Weise erwartet weiteren Rückgang im Herbst und stellt geringere Beiträge in Aussicht

Yasmin El-Sharif

Berlin - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet mit einer weiter deutlich sinkenden Arbeitslosigkeit. BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte dem Tagesspiegel, er erwarte für September oder Oktober einen Rückgang auf 3,5 Millionen. Im August hatte die Zahl der Arbeitslosen bei 3,705 Millionen gelegen und damit das beste August-Ergebnis seit zwölf Jahren markiert.

Die milden Herbstmonate September und Oktober sind regulär die Monate mit der niedrigsten Erwerbslosenzahl. Deshalb wies Weise darauf hin, dass der Wert von 3,5 Millionen nicht bis in den Winter hinein zu halten sei. „Im Jahresschnitt werden wir immer noch eine Erwerbslosenzahl von 3,7 Millionen haben. Und damit etwas mehr, als manch einer versucht hat herbeizureden.“

Trotz einer leichten Abschwächung der Konjunktur ist Weise aber auch für das kommende Jahr optimistisch. Die Situation auf dem Jobmarkt werde sich weiter, wenn auch langsamer als in den Vorjahren, entspannen. Die Behörde rechnet damit, dass 2008 im Schnitt etwa 3,5 Millionen Menschen ohne Job sein werden. „Man kann das schon relativ gut vorhersagen, weil in den Unternehmen die Aufträge da sind und mehr Menschen eine Beschäftigung haben“, erklärte Weise.

Nicht nur die Menschen profitierten von der hohen Beschäftigungsquote, auch mache sich die gute wirtschaftliche Lage im Etat der BA bemerkbar. So erwartet die Behörde in diesem Jahr einen reinen Überschuss von 2,5 Milliarden Euro. Diese zusätzlichen Einnahmen könnten für eine weitere Absenkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags verwendet werden, sagte Weise. „Das wäre eine von vielen Möglichkeiten, die man mit dem zusätzlichen finanziellen Spielraum hätte.“ Der BA-Chef wollte sich aber nicht festlegen, wie weit der Beitrag abgesenkt werden könnte. Bislang ist eine Herabsetzung von derzeit 4,2 Prozent auf 3,9 Prozent zum 1. Januar 2008 geplant.

Problematisch sei nach wie vor die Situation für Langzeitarbeitslose, sagte Weise. Ein Teil dieser Gruppe sei schwer in den ersten Arbeitsmarkt integrierbar. „Wir kennen 600 000, die die vergangenen sechs Jahre nicht gearbeitet haben.“ Ursachen seien häufig nicht nur eine fehlende Qualifizierung, sondern auch soziale Probleme wie Sucht oder Verschuldung. „Das sind Menschen, die ganz weit weg vom Arbeitsmarkt sind und besondere Hilfe brauchen.“ Für besonders schwierige Fälle bedürfe es sogar eines öffentlich geförderten Beschäftigungssektors. „Da das Geld ja sowieso ausgegeben wird, ist es richtig, über solche Alternativen nachzudenken“, sagte Weise. „Unter bestimmten Voraussetzungen ist ein Konzept wie Bürgerarbeit also akzeptabel.“

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