Arbeitsrecht : Doppelt läuft besser

Job-Sharing ist ein spannendes Teilzeitmodell. Was der Vertrag regeln sollte.

Gemeinsames Ziel. Wer sich eine Stelle teilt, teilt auch Erfolge.
Gemeinsames Ziel. Wer sich eine Stelle teilt, teilt auch Erfolge.Foto: dpa

DIE IDEE
Mittwochs sitzen die beiden Kollegen ausnahmsweise beide im Büro. Konferenzen stehen an, Pläne für die nächsten Tage müssen überarbeitet, Präsentation abgestimmt werden. Was sonst per E-Mail oder Telefon geklärt wird, passiert heute im direkten Gespräch. Die zwei teilen sich Verantwortung, Aufgaben und Arbeitszeit. Die Zielvorgaben des Chefs peilen sie gemeinsam an.

Noch findet das Modell Job-Sharing nur zögerlich den Weg in die Wirtschaft. Zu groß ist die Angst vieler Chefs, dass Übergaben nicht klappen, Arbeit liegen bleibt und niemand griffbereit ist, wenn schnelle Entscheidungen anstehen. Doch vor allem Eltern oder Mitarbeiter, die Angehörige pflegen, wollen wegen dieser Verpflichtungen nicht auf Top-Jobs verzichten. Hinzu kommt die Generation junger Fachkräfte, die auf Karriere und Freizeit Wert legt.

DIE RECHTSGRUNDLAGE

Einen Rechtsanspruch auf Job-Sharing gibt es nicht. Doch die Grundlage für das Stellenmodell gibt das Teilzeitgesetz, das jeder Angestellte in Anspruch nehmen kann. Alles andere wird mit dem Chef verhandelt. „Job-Sharing bezieht sich auf bestimmte Lebensphasen und ist zeitlich befristet“, sagt Jana Tepe von Tandemploy. Seit Oktober 2013 gibt es das Berliner Start-up. Über die Internetplattform suchen und finden sich Mitarbeiter und Unternehmen, die die Stellen-Tandems anbieten.

DER VERTRAG
Viele Job-Sharer haben zusätzlich zum regulären Arbeitsvertrag eine Art Dachvertrag vereinbart. Darin sind etwa die Vertretung im Urlaub oder bei Krankheit geregelt. Auch Besonderheiten zu Aufgaben außerhalb der regulären Arbeitszeit können dort festgelegt werden. Etwa wenn ein Mitarbeiter Konferenzen mit den USA oder Asien übernimmt, die aufgrund der Zeitverschiebung in der Nacht stattfinden. Hinzu kommen Überstundenregelungen oder Vereinbarungen über Verantwortlichkeiten. Knifflig wird es, wenn einer der beiden Partner vorzeitig aus dem Modell aussteigt. Dann muss der Arbeitgeber einen geeigneten Nachfolger finden. Alternativ übernimmt der verbleibende Partner den kompletten Job.

DAS GEHALT

Für Diskussionen könnte auch das Gehalt sorgen. Branchen, die die Bezahlung ihrer Mitarbeiter tariflich regeln, müssen diese Vorgaben auch für jene beachten, die sich ihren Job teilen. Hinzu kommen die firmeninternen Regeln für Prämien, Boni oder Zuschläge. Auch die finanzielle Seite des Stellen-Tandems kann über einen Dachvertrag festgelegt werden.

DIE PARTNER

Prinzipiell eignet sich jede Stelle für Job-Sharing. Voraussetzung ist, dass beide Partner auf Alleingänge verzichten können. „Man macht sich ersetzbar“, sagt Tepe. „Und die Chemie muss stimmen.“ Aufgaben werden gemeinsam gelöst, Erfolge wie Niederlagen geteilt. Je konkreter die Vorstellungen darüber sind, wie das klappen soll, desto eher lassen sich Chefs von dem Modell überzeugen.

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