ARCHÄOLOGIE„Die geretteten Götter“ : Die steinerne Geliebte

Es klingt wie ein Märchen aus „1001 Nacht“. Max von Oppenheim, das war der Prinz aus dem Abendland, die thronende Göttin vom Tell Halaf seine angebetete Braut (Foto). Eine steinerne Figur, zu der er gleich in Liebe entflammte, nachdem er sie 1912 in den Resten eines Palastes im obermesopotamischen Quellgebiet des Habur, eines Nebenflusses des Euphrat, entdeckt hatte.

Der Kölner Bankierssohn, der zu Geldgeschäften keine Lust verspürte und lieber Archäologe und Diplomat wurde, sollte jedoch kein Happy End mit seiner steinernen Schönheit erleben. Zwar gelang es ihm, 1927 die spektakulären Funde nach Berlin zu verschiffen und ihnen in seinem privaten Tell-Halaf-Museum in Charlottenburg einen Ort der Verehrung zu errichten. Doch 1943 wurde die umfunktionierte Fabrikhalle durch Bomben vollkommen zerstört. Die kostbaren Bildwerke aus Basalt zerplatzten durch die Einwirkung von Hitze und Löschwasser in tausende Stücke. Von dort gelangten sie kistenweise in die Keller des Museums für Vorderasiatische Kunst auf der Museumsinsel und gerieten in Vergessenheit. 1946 starb von Oppenheim mit 86 Jahren in Bayern, fern seiner Schätze. Erst durch die Wiedervereinigung kamen sie ein zweites Mal an die Oberfläche. Ihre Bergung und Wiederherstellung ist ähnlich abenteuerlich, denn sie mussten erst aus 27 000 Einzelstücken zusammengesetzt werden. Ein Glücksfall und Erfolgsprojekt für Restauratoren und Forscher. Die Ausstellung „Die geretteten Götter aus dem Palast von Tell Halaf“ erzählt auch ihre Geschichte. Nicola Kuhn

Pergamonmuseum,

Fr 28.1. bis So 14.8., Mo-So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, 10 €, erm. 5 €

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