Zeitung Heute : Architektur nach den Twin Towers

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Als Auswirkung des Terroranschlags vom 11. September 2001 auf die Architektur, besonders auf den Hochhausbau, erwartete man anfangs einschneidende Veränderungen. Kein zweiter Gebäudetyp ist so schwierig zu schützen wie das ohnehin schon – durch Erdbeben, Stürme und Brände – gefährdete Hochhaus. Doch weit gefehlt: Der Ehrgeiz hohe Häuser zu bauen, erhielt nicht nur keinen Dämpfer, sondern scheint geradezu angestachelt worden zu sein. Ganz besonders am Ort des Geschehens: Der Wettbewerb um die Neubebauung von Ground Zero brachte als Siegerentwurf den Vorschlag des BerlinNew Yorker Architekten Daniel Libeskind hervor. Sein „Freedom Tower“ symbolträchtige 1776 Fuß (541 Meter) hoch, ist höher als alles andere in Manhattan. Der Umstand, dass Libeskinds mit seinen „hängenden Gärten“ recht poetischer Entwurf zum konventionellen Büroturm banalisiert worden ist, unterstreicht das nur.

Der Wettlauf Asiens und des Vorderen Orients um das höchste Gebäude der Welt geht ehrgeizig voran. Mit dem Doppelturm der „Petronas Towers“ im malaysischen Kuala Lumpur brachte den Weltrekord erstmals nach Asien. Die momentane Bestmarke beansprucht das an die Form des Bambus angelehnte „Taipeh 101“ mit 508 Metern Höhe, die um so mehr ins Auge fallen, als die Stadt Taipeh bisher über keine nennenswerte Skyline verfügt. Als Ziel für einen Angriff aus der Luft wäre der Turm gut auszumachen. Außerdem diktierten die geologischen und klimatischen Bedingungen die Konstruktion. Erdbeben und Stürme mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern waren zu berücksichtigen.

Über die Ursache für den vollständigen Zusammenbruch der Twin Towers von New York herrscht bis heute keine Einigkeit, und über die daraus gewonnenen Erkenntnisse für künftige Konstruktionen mögen Ingenieurbüros nicht gerne sprechen. Die mit dem Bau von Superhochhäusern in erdbebengefährdeten Gebieten – darunter auch Los Angeles, wo 1990 die Grenzmarke von 310 Metern Höhe erreicht wurde – gemachten Erfahrungen versprechen allerdings Konstruktionen, bei denen punktuelle Zerstörungen nicht mehr zum Kollaps des gesamten Gebäudes führen können.

Das ist auch für arabische Staaten von Interesse, die repräsentative, auf visuelle Wirkung ausgerichtete Bauten an den Küsten errichten, wie die Vereinigten Arabischen Emirate mit dem 312 Meter hohen Hotel Burj al Arab auf einem künstlichen Inselchen vor Dubai. In Dubai soll auch der nächste Weltrekordhalter unter den Hochhäusern in die Höhe schießen, entworfen von der im Bürohausbau besonders erfahrenen Firma, Skidmore, Owings & Merrill (SOM). Die – aus Konkurrenzgründen nicht exakt benannte – Höhe: um die 560 Meter.

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