Zeitung Heute : ARD, MDR und Arte zeigen neue Bilder vom "Schlachtfeld Vietnam"

Robert Bongen

Der Vietnamkrieg war der erste Krieg, der direkt in die Wohnzimmer übertragen wurde. Jetzt ist erstmals Material der Nordvietnamesen zu sehenRobert Bongen

Der 30. April 1975: Truppen Nordvietnams und der Vietcong rücken in Saigon ein, die letzten US-GIs sind längst abgezogen, die südvietnamesische Regierung kapituliert bedingungslos - der Vietnam-Krieg ist beendet. Ein Krieg, mit über drei Millionen Opfern, in dem fast doppelt so viele Bomben fielen als während des gesamten Zweiten Weltkriegs. Ein Krieg, der als Kreuzzug gegen den Kommunismus geplant war und nicht nur für die Amerikaner zum Trauma wurde. 25 Jahre danach rekonstruieren MDR, NDR und Arte in einem umfangreichen Gemeinschaftsprojekt die Geschichte der längsten militärischen Auseinandersetzung des 20. Jahrhunderts, "realistischer als alles, was man bisher über den Vietnam-Krieg gesehen hat", verspricht Hans-Jürgen Börner vom NDR.

Der Konflikt zwischen dem kommunistischen Nordvietnam auf der einen und Südvietnam mit seiner Schutzmacht USA auf der anderen Seite gilt als erster "Medienkrieg" der Geschichte. Die Bilder von den Schlachten im asiatischen Dschungel wurden direkt in Millionen westlicher Wohnzimmer übertragen. Es waren Bilder amerikanischer Kameras - denn die Aufnahmen der nordvietnamesischen Front-Kameraleute blieben jahrzehntelang in den Archiven von Hanoi und Saigon unter Verschluss. Über eine alte Vietnam-Connection - noch aus Zeiten des DDR-Fernsehens - ist es MDR-Redakteuren im letzten Jahr gelungen, Einblick in diese Archive zu bekommen. Mehr noch: "Wir hatten die Möglichkeit, das gesamte Filmmaterial von damals erstmals systematisch auszuwerten und den Krieg aus einem neuen Blickwinkel zu sehen", sagt Ulrich Brochhagen vom MDR.

Gefunden haben sie dabei vor allem bisher unbekannte Aufnahmen vom Bau des sogenannten Ho-Chi-Minh-Pfads; sie stehen im Mittelpunkt des ersten Teils der ARD-Dokumentation "Schlachtfeld Vietnam: Der schmutzige Krieg" (21 Uhr 45 im Ersten). Die "Lebensader" der Vietcong, ein verwirrendes Geflecht von Wegen durch den Dschungel, ist bis heute das größte Mysterium des Vietnamkriegs. Mit aller Gewalt versuchten die Amerikaner, diese Nachschublinie des Feindes zu zerstören, zuletzt mit dem Entlaubungsmittel "Agent Orange". Flächenbombardierungen sollten den Pfad unpassierbar machen - ohne Erfolg, aber mit verheerenden Folgen für Mensch und Natur.

"Der Pfad war lange Zeit der Brennpunkt der Ereignisse", sagt der heute 83-jährige Walter T. Kervin, damals US-Generalstabschef. "Wenn es uns gelungen wäre, ihn zu zerstören, hätten wir viel besser dagestanden. Aber nur aus der Luft war das nicht möglich." Und auf dem Land hatten die Amerikaner nie eine Chance: "Im Krieg gibt es entscheidende Faktoren: Menschen und Waffen. Sie hatten Waffen, aber keine Menschen. Denn die Soldaten der südvietnamesischen Armee waren ja auch Vietnamesen. Viele wollten den Krieg gar nicht", erklärt der mittlerweile 90-jährige Yo Nguyen Giap, ehemals nordvietnamesischer Verteidigungsminister. Giap äußerte sich erstmals vor laufender Kamera über den Krieg, der in Vietnam bis heute "der amerikanische Krieg" genannt wird. Weitere Zeitzeugen kommen im zweiten Teil "Der schwierige Frieden" (nächsten Donnerstag um 21 Uhr 45) zu Wort. Der Blick auf das Vietnam im Jahr 2000 zeigt, dass die Wunden längst verheilt, die Narben aber geblieben sind.

Mit den Folgen des Krieges beschäftigt sich auch der heutige Arte-Themenabend "Vietnam - Ein Land zwischen Krieg, Kommunismus und Kapitalismus", ab 20 Uhr 45, unter anderem mit einer Reportage des ARD-Korrespondenten Hartmut Idzko über die beiden Hauptstädte Hanoi und Saigon sowie einer kulinarischen Reise durch das Land. Und am Sonntag startet das MDR-Fernsehen um 20 Uhr 15 "Apokalypse Vietnam", eine fünfteilige Reihe, die ebenfalls auf das neue Filmmaterial zurückgreift.Weitere Informationen unter

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