Zeitung Heute : ARD und ZDF besorgt über EU-Beschluss zu Kirch/Murdoch

Tina Heidborn

Mit Kritik und pessimistischen Prognosen reagieren die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender auf die Entscheidung der Europäischen Kommission, die British Sky Broadcasting Group (BSkyB) des Medienmoguls Rupert Murdoch beim Pay-TV von Leo Kirch einsteigen zu lassen. Dies sei ein "weitgehender Freibrief" für den Aufbau eines Monopols beim Digitalfernsehen, monierte der ARD-Vorsitzende Peter Voß am Mittwoch. Jetzt bestünde die Gefahr, dass die digitale Fernsehzukunft von der marktbeherrschenden Stellung Kirchs und Murdochs geprägt werde, die mit pay-TV Milliardenprofite machen wollten. "Die Rechnung dafür werden dann die Zuschauer zahlen müssen, die Spitzensport und große Hollywood-Produktionen nur noch gegen Aufpreis sehen können".

Auch beim ZDF hat man Befürchtungen: "Intendant Dieter Stolte hat ja schon vor Wochen seine Besorgnis und Skepsis zum Ausdruck gebracht", sagte Walter Kehr von der ZDF-Pressestelle auf Anfrage. Die Situation auf dem Fernsehmarkt werde dadurch nicht leichter. "Aber grundsätzlich kommentieren wir die Entscheidung der EU-Kommission zu einem anderen Sender nicht weiter", so Kehr. Nicht wirklich überrascht von der Entscheidung zeigte sich Wolfgang Osinski, Leiter der Unternehmenskommunikation bei RTL: "Das ist nicht mehr als eine Vollzugsmeldung, mit der man rechnen musste." Das Ganze sei in jedem Fall kein Grund, in Ehrfurcht oder gar Angst zu erstarren. Neben der d-box von Kirch gebe es ja beispielsweise auch die Multimedia-Home-Plattform (MHP), auf die sich unter anderem RTL und die öffentlich-rechtlichen Sender geeinigt hätten, gibt Osinski zu bedenken. Mit eigenen Spartenkanälen könnten dort ganz neue Fernsehwelten entstehen.

"Es gibt viele, viele Möglichkeiten in diesem Geschäft", sagte Osinski. "Die Karten in der Medienlandschaft werden nicht nur neu gemischt, es kommen auch ganz neue Karten ins Spiel". Letztlich hätten sich mit Kirch und Murdoch nur zwei Partner entschieden, sich auf ein Kerngeschäft zu konzentrieren.

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