Zeitung Heute : Arme Schlucker

Warum die Mixgetränke so gefährlich sind und wie sie sich auf den Körper auswirken

Paul Janositz

Alcopops – der Name ist Programm. Die Mixgetränke kommen poppig daher und bieten den Kick durch Alkohol. Die handlichen Fläschchen lassen sich leicht am Kiosk oder im Supermarkt besorgen, auch wenn die Käufer noch zu jung sind. Mixgetränke, die Wein oder Bier enthalten, dürfen nur 16-Jährige und Ältere kaufen. Wenn Schnaps drin ist, liegt die Grenze bei 18 Jahren.

„Die gesetzlich vorgeschriebenen Altersgrenzen werden oft nicht beachtet“, sagt Silke Morlang, Expertin für Suchtvorbeugung in Mülheim an der Ruhr. Sie kritisiert, dass die Art des Alkohols auf dem Etikett oft nicht deutlich genug gekennzeichnet sei. Für das Personal an der Kasse sei die Altersbeschränkung daher nicht genau zu erkennen. Dabei ist die Idee mit alkoholischen Mixgetränken gar nicht originell. Rum mit Cola etwa ist seit Jahrzehnten bekannt und in der Berliner Weiße vereint sich Bier mit Sirup. Neu ist jedoch, dass die Getränke bereits fertig gemixt auf den Markt kommen (Premix). Es gibt unterschiedliche Sorten:

Getränke mit Wein oder Bier, bei denen der säuerliche bis bittere Geschmack durch süße Zutaten überdeckt wurde.

Limonaden, die Alkohol aus vergorenem Fruchtzucker enthalten (Erdbeergeschmack beispielsweise).

Limonaden, denen destillierter Alkohol (Rum oder Wodka) beigegeben wurde.

Der Alkoholgehalt kann bis über zehn Prozent betragen, meist liegt er bei fünf bis sechs Prozent. Damit enthält eine Premix-Flasche (0,275 Liter) rund zwölf Gramm reinen Alkohols. Das ist mehr, als in einem Glas Bier (0,2 Liter, fünf Prozent Alkohol) mit knapp acht Gramm oder einem Glas Wein (0,1 Liter, elf Prozent Alkohol) mit knapp neun Gramm enthalten ist. Ein Gläschen voll 40-prozentigem Schnaps bringt es nur auf sechs Gramm Alkohol.

Damit offenbart sich das Erfolgsrezept der Alcopops: sie enthalten viel „Stoff“, der aber nicht zu schmecken ist. Die Modegetränke sind nicht bitter wie Bier, nicht trocken wie Wein, nicht scharf wie Whiskey. Sie schmecken vielmehr süß und fruchtig und zeigen dennoch den gewünschten Effekt. Sie bauen Hemmungen ab, sie machen lustig – und man kann sich mit ihnen gezielt betrinken. „Jugendliche sind heutzutage von klein auf viel mehr auf süßen Geschmack getrimmt, als es früher der Fall war“, sagt Morlang.

Mit Alcopops kann man demnach viel mehr Alkohol in sich hineinschütten, als es mit den üblichen alkoholischen Getränken möglich wäre. Und nicht wenige Jugendliche legen es darauf an. „Das Kampfsaufen hat zugenommen“, sagt die Suchtexpertin. Doch auch wer sich nicht voll laufen lässt, ist gefährdet. „Im jugendlichen Alter kann man innerhalb eines halben Jahres zum Alkoholiker werden“, erklärt Morlang. Viel, viel schneller jedenfalls, als wenn man erst im erwachsenen Alter mit dem Trinken beginnt.

Der Grund ist, dass sich der jugendliche Körper noch im Prozess des Wachsens und Reifens befindet. Das Gehirn ist noch sehr lernbegierig. Es registriert die positiven Erfahrungen sehr effektiv. Es kennt nun das Rezept, wie sich Gefühle von Trauer oder Einsamkeit schnell überwinden lassen. Doch solche Stimmungen gehören zur Entwicklung der Persönlichkeit. Wer sie wegtrinkt, wird nie reif, sagt Morlang.

Alkohol ist ein Zellgift, das schon in kleinen Mengen den sich entwickelnden Körper schädigt. Jugendliche haben ein größeres Risiko für eine Vergiftung durch Alkohol, da für den Abbau notwendige Enzyme noch nicht ausreichend gebildet sind. Je später mit Alkohol begonnen wird, umso besser, lautet daher die Faustregel.

In jedem Fall sollte die von Jugendlichen getrunkene Menge deutlich unter der für Erwachsene festgelegten Grenze bleiben. Diese beträgt für Frauen täglich 20 Gramm, für Männer 30 Gramm. Um sich nicht zu sehr an Alkohol zu gewöhnen, sollte man an zwei oder drei Tagen pro Woche Trinkpausen einlegen. Längerer Missbrauch schädigt vor allem Leber und Bauchspeicheldrüse. Auch Magengeschwüre oder Herzmuskelleiden sowie die Entstehung bestimmter Krebsarten kann gefördert werden.

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