ARMIN PETRAS INSZENIERT„Als wir träumten“ nach Clemens Meyer : Schüttel dein Haar, Macker!

Sandra Luzina

Leipzig, Anfang der neunziger Jahre. Daniel, Mark, Rico, Pitbull, Paul und Walter träumen vom Aufstieg ihrer Fußballmannschaft – und von einem anderen Leben. Sie saufen, klauen und kloppen sich, berauschen sich an ihrer Kraft und ihrem Größenwahn. Mittelpunkt ihres Lebens ist die Premium Pilsener Brauerei mit ihrem Geruch nach Hopfen und Malz. Ihre nächtlichen Exzesse enden in schöner Regelmäßigkeit auf dem Polizeirevier Südost.

In seinem Debütroman „Als wir träumten“ schildert Clemens Meyer den trostlosen, gleichwohl ereignisreichen Alltag einer ostdeutschen Jugend- Gang in der Nachwendezeit. Der frisch gebackene Preisträger der Leipziger Buchmesse bleibt immer nah dran an seinen jugendlichen Protagonisten. Er heroisiert seine Halbstarken nicht, degradert sie aber auch nicht zu Sozialfällen. Regisseur Armin Petras hat die „Saga von Freundschaft, Liebe und Verrat“ nun für die Bühne bearbeitet – unter Mitwirkung des Autors. Sein Kunstgriff: Er lässt die fünf Jungs von Frauen spielen. Der gute alte Verfremdungeffekt scheint sich auch diesmal wieder zu bewähren. Die attraktiven Girls in schwarzen Jeans und Lederjacke dürfen lustvoll über den FC Chemie Leipzig, die Kunst des Boxkampfes und über „Tittengrößen“ fachsimpeln und in einer ruppigen Choreografie die Macker-Gesten ausstellen. Und wenn die tolle Anja Schneider sich als Dani per Telefon ein Call-Girl bestellt – natürlich eine Blondine – und dabei ihr langes Blondhaar schüttelt, ist das auf komische Weise entlarvend. Auch wenn die Inszenierung nicht die existenzielle Wucht von Meyers Roman besitzt: Die Darstellerinnen sind klasse!Sandra Luzina

Maxim Gorki Theater, Studio, Sa 26.4., 20 Uhr (Prem.), Di 29.4., 20 Uhr, 16 €, erm. 9 € BM671

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