ARMIN PETRAS INSZENIERT„Mefisto forever“ von Tom Lanoye : Mime der Macht

Sandra Luzina

In seinem Schlüsselroman „Mephisto“ beschreibt Klaus Mann den Opportunismus von Künstlern, die sich mit der Diktatur arrangieren. Sein zwielichtiger Protagonist Hendrik Höfgen, der hier zum Hofmimen der Nazis wird, trägt unverkennbar Züge von Gustaf Gründgens. In der Rolle des Mephisto verkörpert dieser Höfgen das dämonisch Verführerische – und beeindruckt damit die NS-Machthaber.

Tom Lanoye, Autor von „Schlachten“ und „Mama Medea“, hat aus Manns Satire einen Theatertext zum Thema Kunst und Macht kristallisiert. „Mefisto forever“ distanziert sich von den Kolportage-Tendenzen des Romans und konzentriert sich ganz auf die Frage nach den Möglichkeiten und der Ohnmacht des Künstlers. Dafür hat Lanoye nicht nur die Namen der Figuren geändert, sondern auch die Handlung fokussiert: Kurt Köpler heißt nun der so begabte wie gefallsüchtige Mime und Regisseur, der den Verlockungen der Macht nicht widerstehen kann. Die neuen, totalitären Machthaber tragen ihm das Amt des Theaterintendanten an, nachdem sie den alten zum Rücktritt gedrängt haben. Während unter Köplers Regie klassische Texte geprobt werden, dringt die Politik immer mehr in den ästhetischen Schutzraum ein.

Armin Petras, der die deutschsprachige Erstaufführung von „Mefisto forever“ inszeniert, führt uns in ein moralisches Dilemma: Wie lange kann man weiterspielen? Wann wird man unfähig, sich als Bürger und nicht als Schauspieler zu verhalten? Bleiben oder gehen – das fragen sich hier Paul Herwig als Kurt Köpler und Fritzi Haberlandt (Foto) als Rebecca Füchs. Sandra Luzina

Deutsches Theater, Di 26.2., 19.30 Uhr Premiere, Do 28.2., 19.30 Uhr, 10-30 € BF522

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