Arnold Schwarzenegger : California Dreaming

Schwarzenegger in Hannover: Er bekommt einen Umweltpreis. Und hat sofort die Sympathien auf seiner Seite. Vielleicht deshalb, weil er macht, was deutschen Politikern so schwer fällt – zum Volk gehen.

Stephan-Andreas Casdorff[Hannover]

Der Mann leuchtet, sein Haar so braun, seine Krawatte so grün. Ein Statement beides, das eine für Jugend, das andere für Gesinnung. Der Star ist da, der Pulk ist dicht, die Menschen schieben sich an ihn heran, es ist, als suchten sie Körperkontakt. „Arnold“, rufen zwei, und er schaut nach ihnen, strahlend lächelnd, die Sonne Kaliforniens im Gesicht. Sie winken, er nickt. Das Gedränge stört ihn nicht, er ist stabil. Gouverneur Schwarzenegger auf Mission in Deutschland, im Sinne der Umwelt, als Terminator von Klimaschäden. Dafür wird er gleich ausgezeichnet.

Das blonde Haar wallt, der Anzug ist dunkel und gemessen feierlich, wenngleich aus Leder. Er ist gekommen, Arnold, Arnie, den Gouverneur zu loben. Und es fällt ihm leicht, Thomas Gottschalk, des Volkes Liebling. Dass sein Freund Arnold „Gebrauchspolitik“ macht, dass er ihn so mag, weil er die „res publica zu einer öffentlichen Angelegenheit“ macht, buchstäblich, weil er zum Volk geht – ist es nicht das, was ihn von anderen Politikern unterscheidet? Von deutschen zumal? Schwarzenegger, einer zum Anfassen, einer, den man verstehen kann, keiner der Wirtschaftsweisen, keiner, der die „London School of Economics schon mit 20 hinter sich hatte“, einer, der sich durchsetzen musste, hocharbeiten.

Am Tisch von Schwarzenegger in der stolzen Galerie der Herrenhäuser Gärten zu Hannover, in königlichem Ambiente, vor Fresken, die Pferde zeigen, die so viel strammer bemuskelt sind als viele der Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, sitzt auch der neue Wirtschaftsminister Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Saal ist also der Feier angemessen. Die weiß gedeckten Tische werden von Granden gesäumt, von Finanzinvestoren bis hin zu den Chefs ganz großer Unternehmen, denen es noch oder wieder besser geht. Die Stimmung ist gleich gut, aber bei allen. Draußen, in den Gärten, die der große Mathematiker Leibniz einst anlegte, lacht die Sonne, drinnen wirkt Kalifornien als Verheißung.

Partner auf der Cebit, der größten Computermesse der Welt, ist Kalifornien, allein für sich genommen die achtgrößte Industrienation der Welt. Das Land von Google, der Stanford-Universität, von Intel, der Golden Gate Bridge, des Silicon Valley – Christian Wulff, der Gouverneur von Niedersachsen, ist sichtlich stolz darauf, den transatlantischen Kollegen begrüßen zu können. Sogar Gemeinsamkeiten hat er ausgemacht: Kalifornien ist Spitze bei regenerativen Energien, Niedersachsen ist „führend bei der Windkraft“. Keiner lacht.

Ein „Wind of Change“ weht durch den Saal, in dem irgendwo auch Klaus Meine von den Scorpions sitzen muss. Wer sagt schon, dass Kalifornien schwer zu kämpfen hat, mit einer Arbeitslosigkeit wie seit 25 Jahren nicht mehr, mit dem rapiden Verfall des Wertes von Häusern, mit einer Verschuldung, von der Warren Buffett, der große Finanzguru, meint, dass sie auch wegen des geltenden Haushaltsrechts nicht recht zu beherrschen sei, mit Dürre, Feuer, Erdbeben?

Dass zu frühen Zeiten auch 600 000 Niedersachsen in die USA ausgewandert sind, wie Wulff zu sagen nicht vergisst, wirkt da schon ein bisschen komisch. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo die Möglichkeiten in Kalifornien immer noch unbegrenzter zu sein schienen, hat Probleme. Doch Schwarzenegger ist gekommen, sie zu lösen, dort mit harten Schnitten und Einsparungen und der Verkündung des Notstands wegen Dürre, und hier mit einer Wirtschaftsdelegation, die auf der Cebit den Aufbruch bringen soll.

Um diesen Wandel, den, der aus einer Krise eine Chance macht, geht es Wulff, er sagt es im Blick auf den Gouverneur, „nicht online, sondern von Mensch zu Mensch“. Das mit dem Menschen gefällt Schwarzenegger. Darum auch hat er den großen transatlantischen Preis der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland für seine Umweltpolitik gerne angenommen, mit einem „big yes“, wie Gottschalk schalkhaft unter Anspielung auf seine Erfahrung mit Marcel Reich-Ranicki sagt. Da hat er sich vorsichtshalber doch lieber einmal bei seinem Freund erkundigt.

Was er sagt, lässt einige Momente den Saal stiller werden, das Gemurmel nimmt ab. Wie ein Mensch mit seinen Aufgaben wachsen könne, wenn er an sich glaubt, das sehe man an Schwarzenegger. Und wie einer nach seiner Karriere als Schauspieler, nach den Vorbehalten zeige, dass man Menschen vertrauen könne, „die man verstehen kann“. Und dann, als Fazit all dessen, das, was auch Gottschalk als Entertainer für sich reklamiert: „Du kannst auf Dauer den Menschen nichts vormachen.“ Das ist der Moment, in dem es Gottschalk genauso ernst ist, wie er spricht.

Schwarzenegger leuchtet. Die Freude wirkt echt. Das Drehbuch, wenn man es so nennen will, hat nun die Rede des Preisträgers vorgesehen, und er hält sie auf Englisch. Von wegen Österreichisch. Dass er einmal einen solchen Preis bekommen würde, weil er die Welt gesund und rein erhalten wolle, nicht die Menschen fit, daran habe er in seinen kühnsten Träume nicht zu denken gewagt. Dass er es als Ehre empfinde, wenn Kalifornien wegen der Umweltgesetzgebung auch vom neuen Präsidenten Barack Obama gut angesehen werden, „ehrt uns“. Kein Ich, ein Wir, die Menschen. Deutschland, sagt er dann mit geradezu warmem Lächeln, und Großbritannien seien ja auch Vorbild für Kalifornien gewesen.

Wir, jetzt, dürfen nicht warten, müssen handeln – er ballt die Faust, die Muskeln unter seinem Jackett zeichnen sich ab, die Männer schauen auf, hoch zur Bühne, die Frauen lächeln. Schon Christian Wulff hatte es beschrieben, ganz zu Anfang, „wie sie auf den Gouverneur geschaut haben“, weil der doch einer ist, der beweist, dass man „nicht sein Leben träumen, sondern seine Träume leben“ soll. Und so fährt Arnold Schwarzenegger fort, die Zettel mit seiner Rede immer nur kurz mit den Augen streifend, wie es gelingen kann, die Welt zu retten, beschreibt Laser mit ungeheueren Energien, seine Stimme wird lauter, lobt die Solarwirtschaft, sein Lächeln wird strahlend – und fordert jeden auf, ein „Held des Tages zu werden in diesem Kampf“. War nicht Teddy Roosevelt, der Präsident und Umweltschützer, ein Republikaner wie er? Gottschalk nickt, Volker Rühe, einst deutscher Verteidigungsminister, im Publikum auch, dazu die Wirtschaftsführer, jeder reihum hat ihn verstanden.

Und an Tisch acht springen zwei auf, die seine Augen gesucht haben, die er mit seinen Augen gesucht hat. Schwarzenegger hat viele Freunde hier, aber zwei besondere sind darunter. Ralf Moeller, ehedem Bodybuilder wie er, der es auch weit gebracht hat im Schauspielbusiness und den man kennt. Und daneben sein ältester Freund, Albert Busek, der Münchner, der für ihn in den 60er Jahren alle Korrespondenz in die USA erledigte, weil der Arnold doch kein Englisch sprach. Damals, als er mit Sportkleidung und wenig Geld aufbrach in sein gelobtes Land. Einer, dessen Möglichkeiten dann unbegrenzt erschienen. Nur Präsident könne er nicht werden, scherzt Gottschalk.

Busek erzählt auch in die Musik von Mozart hinein voller Stolz ein Erlebnis nach dem anderen von früher. Wie er Schwarzenegger unterstützt hat, auch in den USA, wo auch er sich zu Hause fühlt, aber nie hingezogen ist. Taufpate von Schwarzeneggers ältestem Sohn ist, „der einzige Taufpate außerhalb der Familie“. Und Jackie Kennedy durfte er zu ihrem Platz führen, als Arnold heiratete. Ein Amerikabuch schreibt er gerade, „sehr emotional“, Arnold Schwarzenegger wird ein „wesentlicher Teil“ darin sein.

Buseks Gesicht ist rot vor Glück, seine Augen glänzen, er springt auf wie Moeller, die beiden sind die Ersten nach der Rede, sie winken. Schwarzenegger dankt ihnen, die Menschen im Saal applaudieren. Fred Irwin, der Chef der Handelskammer, hat am Beginn der Feier gesagt, dass jetzt, in der Krise, alle aufstehen sollten für das, an was sie glauben. Er hat es anders gemeint, aber Albert Busek kommt das sehr zupass. Was Arnold Schwarzenegger für ihn bedeute, hat Irwin Busek gefragt. Seine Antwort versteht auch, wer kein Englisch spricht: „Joy.“

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