Zeitung Heute : Arte dokumentiert die Arbeit der Konkursverwalter der DDR

Tina Angerer

Im Juli 1990 brachten streng bewachte Transporter die Geld-Bündel in die DDR. Man riss sich um die begehrten Scheine, konnte die selig machende Wunderformel des Westens, genannt D-Mark, kaum erwarten. Doch die brachte vor allem eines: die Marktwirtschaft. Damit begann die Arbeit der Treuhandanstalt als Konkursverwalter des Bankrott-Unternehmens DDR.

Axel Grote und Michael Jürgs versuchen in ihrem zweiteiligen Film "Schlussverkauf DDR", der im Arte-Programm heute und morgen jeweils um 20 Uhr 45 ausgestrahlt wird, die vierjährige Geschichte der Treuhand aufzuarbeiten. Sie bewegen sich dabei zwischen zwei Klischees: Die Treuhänder als uneigennützige Helden im Dienste des einigen Vaterlandes - oder die Abzocker, die Plattmacher und Besserwessis, die die DDR ausverkauft haben.

Auf zwei Ebenen tasten sich die Autoren dann an die komplexe Geschichte. Auf der einen Seite die Manager, Strategen und Politiker. Auf der anderen Seite ein Betriebsrat des Hartmetallwerks Immelborn, irgendwo in Thüringen. Das Werk fiel dem Versagen der Treuhand-Manager zum Opfer. In diesem Zweikanal-Ton erzählen die Autoren von Erfolgen und Versagen der Treuhand, vom Mord am Treuhandchef Rohwedder und vom Erhalt des Chemie-Dreiecks Bitterfeld. Von großen Skandalen und kleinen Geschichten. Trotz aller Fehler, so die These der Autoren: Es gab keine Alternative zum Unternehmen Treuhand. Und noch eine Erkenntnis bleibt. Den größten Fehler machten die Politiker. Sie schürten vorschnell zu viele Erwartungen, versprachen auch dem Arbeiter in Immelborn Wohlstand. Doch der pflegt jetzt als Frührenter blühende Landschaften im Vorgarten.

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