Zeitung Heute : Arte zeigt Satire, die sich im Klischee austobt

M.B.

Dagmar Wagner erlebte einst, wie sich Deutsche gegen den Bau einer türkischen Moschee wehrten. Der "Zustand aufgerüsteter Gefühle wie vor Kriegsbeginn" hat sich dermaßen "als erschreckender Eindruck in mein emotionales Gedächtnis gebrannt", dass sie daraus einen Film machen musste. Zwar beabsichtigte Wagner als Autorin und Regisseurin den "ungeheuren Hass" in ihrem ersten Spielfilm satirisch umsetzen, doch "Lupo und der Muezzin" (20 Uhr 45, Arte) ist an Komik rar. Wenn sich ein Bürgermeister und Landrat in spe (Stefan Viering) wie ein militanter Neo-Nazi anhört, die Lokalprominenz ein korrupter Haufen, Türken und Frauen dagegen sanft, empfindsam und diskriminiert sind, dann frohlockt fernab der Satire eher das schlechte Klischee. Dabei sind die Vorgaben für eine Provinzposse durchaus gegeben: Der Bauamtsleiter und Karnevalspräsident am Ort, Lupo (Martin Lüttge), der das für die Moschee vorgesehene Grundstück für sein Vereinsheim braucht, entfesselt mit Hilfe der Lokalzeitung einen Proteststurm gegen das Bethaus. Als der Laden des türkischen Verhandlungsführers in Flammen aufgeht, erscheint die Kleinstadt als rassistische Hochburg, obwohl die Brandursache keineswegs klar ist. Gegen den Bau der Moschee jedenfalls mag sich der um seinen Ruf besorgte Magistrat nun nicht mehr stellen...

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