Artenschutz : Stark gefährdet

Der Eisbär ist in den USA seit Mittwoch als gefährdete Art anerkannt. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen nahm Innenminister Kempthorne Eisbären unter Schutz. Der Grund: Das arktische Eis schmilzt und damit der Lebensraum der Tiere. Allerdings bringt dieses Eingeständnis weder den Eisbären noch für die US-Klimapolitik besonders viel. Noch im Februar hat das gleiche Innenministerium Öl- und Gasförderlizenzen in Alaska, mitten im Lebensraum der Eisbären, für die Rekordsumme von 2,66 Milliarden Dollar verkauft. Der Schutz der Eisbären beschränkt sich nun wohl darauf, dass Trophäen von der Eisbärjagd nicht mehr in die USA eingeführt werden dürfen.

Auf der Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) werden seit dem vergangenen Jahr 41 415 Arten gelistet, davon sind 16 306 vom Aussterben bedroht, 785 sind bereits ausgestorben und weitere 65 Arten überleben nur noch in Gefangenschaft. Rechtzeitig zur Eröffnung der UN-Konferenz zum Schutz der Biodiversität am kommenden Montag in Bonn will die IUCN eine neue Rote Liste über die Vogelbestände der Welt vorlegen. Dort könnten dann auch die in Deutschland stark gefährdeten Feldlerchen und Kiebitze gelandet sein, die der intensiven Landwirtschaft zum Opfer fallen.

Dass es dem Dornhai, der von der IUCN als „gefährdet“ gelistet ist, nicht besonders gut geht, haben die Europäer schon länger erkannt. Im vergangenen Jahr wollte die Europäische Union Handelsbeschränkungen für die Art, die auf Fischmärkten als Schillerlocke verkauft wird, unter dem Washingtoner Artenschutzabkommen durchsetzen – und scheiterte. Da überrascht es auch nicht, dass die EU-Fischereiminister sich auch in diesem Jahr neue Fangquoten für den im Nordwestatlantik sogar „stark gefährdeten“ Dornhai genehmigt haben.

Besonders schlecht ist es um das Überleben der Menschenaffen in Afrika und Asien bestellt: Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen sind stark gefährdet. Bei den Orang-Utans liegt das vor allem am galoppierenden Verschwinden der Regenwälder auf Borneo und Sumatra, die legal oder illegal abgeholzt werden oder Palmölplantagen für die Lebensmittel-, Kosmetik- und Biospritindustrie weichen müssen. Gorillas leiden im Kongo unter einer Ebola-Epidemie und darunter, dass sie wegen ihres Fleisches gejagt werden. Ein Schicksal, das sie mit Klammer- und Brüllaffen im südamerikanischen Regenwald teilen. Bis zu 5,4 Millionen Affen werden nach Angaben der Umweltorganisation Pro Wildlife jährlich allein im brasilianischen Amazonasgebiet gejagt. deh

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