Zeitung Heute : Arzt lehnte AOK-Patienten ab

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Cottbus/Potsdam. Zwischendurch soll sogar ein Schild an der Cottbuser Praxistür gehangen haben. Keine AOK-Patienten mehr, hieß es da sinngemäß. Begründung: Die Anzahl der vom ihm im ersten Abrechnungsquartal zu behandelnden AOK- Versicherten sei schon erreicht. Das Schild hat der Kardiologe Frank Herpolsheimer inzwischen abgehängt – der Streit darüber geht erst richtig los. Knapp zehn Versicherte hätten die Kasse verlassen, sagt AOK-Sprecher Jörg Trinogga. Einer unter konkreter Berufung auf eben diesen Kardiologen.

Derzeit prüft die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Mediziner. Damit käme er dem Wunsch der Krankenkasse nach. Die sieht sich durch das Verhalten des Cottbusers in zweifacher Hinsicht geschädigt. Neben Mitgliedskündigungen registriert man dort, dass inzwischen auch sieben Augenärzte die Behandlung von AOK-Versicherten verweigerten. Alle aus Cottbus und Umgebung. Trinogga will bei dieser räumlichen Nähe nicht länger von Zufall sprechen. „Wir setzen uns mit allen zur Verfügung stehenden Mittel zur Wehr“, so der AOK-Sprecher. Juristen der Krankenkasse prü ften bereits, ob man Regressforderungen stellen könne.

Hintergrund der Affäre ist nach Ansicht der AOK eine seit Januar dieses Jahres geltende neue Honorarverteilungsregelung, nach der die Brandenburger KV die von den Krankenkassen erhaltenen Gelder auf die einzelnen Arztgruppen und unterschiedlichen Kassen verteilt. Was bedeutet, dass die KV intern ausmacht, wieviel des von den Krankenkassen an sie eingezahlten Geldes für welche Kombinationen wieder ausgezahlt wird. Wobei die Kassen lediglich in Primär- und Ersatzkassen unterteilt sind. Die AOK zählt, wie DAK oder Betriebs- oder Innungskrankenkassen zu den Primärkassen.

Insgesamt sei die neue Honorarverteilungsregelung „praktiziertes Herrschaftswissen“, findet auch Trinogga: kompliziert und undurchschaubar. Nicht nur deshalb habe die AOK der neuen Regelung nicht zugestimmt. Mitbestimmungsrecht habe sie in dieser Angelegenheit jedoch nicht gehabt. Fest stehe aber, dass kein Arzt das Recht habe, einen Patienten aufgrund seiner Kassenzugehörigkeit abzulehnen, so Trinogga. Um sich dagegen zu wehren, hat die Kasse den Zulassungsausschuss der KV informiert, um dem Kardiologen, der nach Trinoggas Ansicht einen „ Versuchsballon steigen ließ“, eventuell die Kassenzulassung zu entziehen. Weiterhin wurden das Gesundheitsministerium in Potsdam, Minister Alwin Ziel (SPD) persönlich und die Landesärztekammer über den Vorfall informiert. ari

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