Zeitung Heute : Asiens Börsen reagieren mit neuem Anstieg Nach dem Krieg holt die Krise Devisen und Kurse wieder ein

Henrik Mortsiefer Daniel Rhee-Piening

Von Henrik Mortsiefer

und Daniel Rhee-Piening

Am ersten Tag des Irak-Krieges haben die Leitbörsen in Asien mit deutlichen Gewinnen geschlossen. Der japanische Nikkei-Index legte am Donnerstag in Tokio um 1,8 Prozent auf 8195 Punkte zu. Der deutsche Aktienindex Dax dagegen sank am Donnerstag Morgen zur Eröffnung allerdings auf 2577 Punkte, das ist 1,7 Prozent unter dem Vortagsesschluss. Händler machten dafür nicht den Irak-Krieg, sondern die miserablen Zahlen des Dax-Schwergewichtes Allianz verantwortlich.

Damit haben die Aktienhändler in Asien deutlich gemacht, dass sie mit einem kurzen Krieg und einem starken anschlieénden Aufschwung rechnen. So war es nach dem Golfkrieg des Jahres 1991. Dass es diesmal angesichts der völlig unterschiedlichen Lage der Weltwirtschaft wieder so kommt, halten Experten für eine riskante Wette.

Der Kurs des Euro sank nur kurzfristig auf rund 1,05 Dollar. Um 8 kostete die EuropäischeGemeinschaftswährung 1,06 Dollar. Ein Dollar war damit 0,9417 Euro wert. Das entspreche einem allgemeinen Aufwärtstrend, meinen die Banken: Den „ Aufstieg nach dem tiefen Fall“, erkennt etwa die Deutsche Bank in einer Analyse.

In den letzten Tagen hatten die Notierungen der Gemeinschaftswährung zwar deutlich nachgegeben. Doch der Aufwärtstrend bleibt unübersehbar: Seit seinem Tiefststand Ende 2000 hat der Euro zum Dollar um fast 30 Prozent zugelegt. Bleibt die Gemeinschaftswährung so stark? Welche Konsequenzen hat der Ausgang des Krieges auf die Devisenmärkte?

Die Deutsche Bank bleibt zurückhaltend: Ein Euro-Kurs von rund 1,07 Dollar entspreche mit Blick auf die Rahmenbedingungen der Volkswirtschaften dies- und jenseits des Atlantiks dem „fairen Wert“ für die Währung. Doch dabei muss es im Jahresverlauf nicht bleiben. Vor allem dann nicht, wenn die US-Armee länger als geplant im Irak bleiben muss. „Beim Euro-Kurs könnte es zu einem Überschießen auf 1,20 oder 1,30 Dollar kommen“, fürchtet die Deutsche Bank.

Hohes US-Leistungsbilanzdefizit

Zu Kriegsausbruch glauben jedoch noch fast alle Beobachter, dass der Krieg die Entwicklung des Euro- beziehungsweise Dollarkurses nur vorübergehend beeinflussen wird. Ulrich Kater, Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Dekabank, erwartet, dass vor allem die Kursschwankungen, die so genannte Volatilität, während des Krieges deutlich zunehmen werden. Der Dollar werde aber unter Druck bleiben, weil er immer noch überbewertet sei. In einem halben bis einem Jahr könnte der Euro auf 1,12 bis 1,15 Dollar gestiegen sein. Dann sei auch die Kaufkraftparität erreicht. Auszuschließen seien allerdings auch Kurse um 1,20 Dollar je Euro nicht. „Dann verstehe ich auch die Klagen der deutschen Exportwirtschaft“, sagt Kater.

Auch bei HSBC Trinkaus&Burkhardt sieht man noch keinen Grund zur Entwarnung. Schon bald könne sich die Aufmerksamkeit der Devisenmärkte auf die Ungleichgewichte im internationalen Warenaustausch richten. „Mit der Veröffentlichung des US-Leistungsbilanzdefizits für das vierte Quartal 2002 dürfte den Marktteilnehmern ein wichtiger langfristiger Belastungsfaktor für den US-Dollar in Erinnerung gerufen werden“, schreiben die Devisenmarktexperten des Privatbankhauses in einer Analyse.

Eine neue Blase an der Börse?

Ob diese Ernüchterung auch die Aktienmärkte erreicht, wagt kaum einer vorauszusagen. Der rasante Anstieg der Aktienkurse in den Tagen vor Kriegsausbruch teilt die Fachwelt in zwei Lager: Die einen sehen darin schon die Trendwende für eine nachhaltige Erholung der Finanzmärkte, die anderen warnen davor, der Kursaufschwung sei viel zu schnell erfolgt und die entstandene Spekulationsblase könne schon in wenigen Tagen wieder platzen. Zu den großen Optimisten zählt in diesen Tagen Barton Biggs von Morgan Stanley: „Als Patriot und Optimist sage ich voraus, dass die Märkte weltweit dabei sind, den Boden zu finden“:

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