Zeitung Heute : Assad startet Offensive gegen Rebellen

Syrische Armee weitet ihre Angriffe auf die Hochburg der Gegner in Homs aus / Neue UN-Resolution geplant.

Damaskus/Genf - Die syrische Armee hat ihre Angriffe auf die Rebellenhochburg Homs ausgeweitet. Wie am Mittwoch aus Sicherheitskreisen in Damaskus verlautete, startete die Armee eine Bodenoffensive im Viertel Baba Amr. Die USA bemühten sich derweil nach Angaben von UN-Diplomaten um einen neuen Entwurf für eine Syrien-Resolution im UN-Sicherheitsrat.

Der Bereich von Baba Amr sei „unter Kontrolle“, sagte ein Vertreter der syrischen Sicherheitsbehörden. „Die Armee hat bereits eine Säuberung Block für Block, Haus für Haus vorgenommen, und jetzt durchforsten die Soldaten jeden Keller und jeden Tunnel auf der Suche nach Waffen und Terroristen“, erklärte der Beamte. Es gebe „nur noch einige wenige Widerstandsnester“.

Homs steht seit mehr als drei Wochen unter Beschuss. Aktivisten hatten zuvor von einer Verstärkung der Regierungstruppen durch eine Eliteeinheit der gefürchteten vierten Armeedivision des Generals Maher al Assad berichtet, was vermuten lasse, dass der „finale Angriff“ auf Homs bevorstehe. Nach Angaben der aus Deserteuren bestehenden Freien Syrischen Armee ist die Stadt komplett von der Außenwelt abgeriegelt.

Mehr als drei Dutzend Deserteure der syrischen Armee sind nach Angaben von Aktivisten in die Türkei geflohen. Haitham Fistik, ein Aktivist in der türkischen Grenzprovinz Hatay, sagte dpa am Telefon, am Montag seien etwa 40 syrische Deserteure über die Grenze gekommen. Unter ihnen seien mehrere ranghohe Offiziere. Der arabische Nachrichtensender Al Dschasira sprach von 37 Deserteuren.

Syriens Führung ignoriert seit mehr als einer Woche das Verhandlungsangebot des Roten Kreuzes über einen humanitären Waffenstillstand. „Wir haben noch nicht einmal eine Antwort der syrischen Behörden auf unsere Anfrage erhalten“, sagte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz am Mittwoch in Genf. Dabei werde eine Feuerpause im syrischen Bürgerkrieg immer dringlicher. „Die humanitäre Lage der Zivilbevölkerung verschlimmert sich Stunde um Stunde“, sagte der Sprecher.

Nachdem bereits zwei UN-Resolutionen zu Syrien am Widerstand der Veto- Mächte Russland und China gescheitert sind, bereiteten die USA laut UN-Diplomaten einen neuen Entwurf vor. Im Mittelpunkt des Textes stehe die humanitäre Hilfe für die von der syrischen Armee belagerten Städte, womit der Westen hoffe, Russland und China davon überzeugen zu können, eine Resolution nicht erneut zu blockieren. Gegen die beiden zuletzt vorgelegten Resolutionsentwürfe hatten die beiden ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats ihr Veto mit der Begründung eingelegt, darin werde nur die Gewalt der syrischen Sicherheitskräfte, aber nicht die der Rebellen verurteilt.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden beim gewaltsamen Vorgehen der Regierung gegen die Opposition mehr als 7500 Menschen getötet. Zehntausende Oppositionelle wurden verhaftet und gefoltert, knapp Hunderttausend Menschen flohen. Die Kämpfe dauern nun seit elf Monaten an. AFP/dpa/epd/rtr

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