Zeitung Heute : Assange bleibt vorerst in Haft Schweden verhindert Freilassung gegen Kaution

London - Der Gründer der Enthüllungswebsite Wikileaks, Julian Assange, kommt vorerst nicht frei. Ein Londoner Gericht hatte am Dienstag zwar bei einem Haftprüfungstermin der Freilassung Assanges gegen Kaution zugestimmt. Die schwedische Staatsanwaltschaft, die eine Auslieferung fordert, legte aber noch am Dienstagabend Berufung gegen die Entscheidung ein. Der High Court muss nun binnen 48 Stunden entscheiden.

Das Londoner Gericht hatte eine Haftentlassung an strenge Auflagen geknüpft. Assange soll demnach eine elektronische Fußfessel tragen und eine Ausgangssperre beachten. Die Kaution wurde auf 240 000 britische Pfund (rund 282 000 Euro) festgelegt. Hunderte seiner Anhänger, darunter die Menschenrechtlerin Bianca Jagger, jubelten vor dem Gerichtsgebäude, als die Entscheidung bekannt wurde. Zuvor hatte Assanges Anwalt erklärt, zehn Prominente hätten sich für seinen Mandanten verbürgt. Auch die Kaution werde von Unterstützern gestellt.

Assange war vergangene Woche in der britischen Hauptstadt verhaftet worden, weil Schweden seine Auslieferung wegen des Verdachts der Vergewaltigung fordert. Der 39-jährige Australier bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Seine Anwälte halten sie für politisch motiviert. Wikileaks hatte Ende November mit der umstrittenen Veröffentlichung von Geheimdepeschen der US-Diplomatie im Internet begonnen.

Assange ließ seine Mutter am Dienstag im australischen TV-Sender Channel 7 eine Erklärung verlesen, in der er die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard sowie das Bezahlsystem Paypal scharf dafür kritisiert, dass sie ihre Zusammenarbeit mit Wikileaks eingestellt haben. „Wir wissen jetzt, dass Visa, Mastercard und Paypal Instrumente der US-Außenpolitik sind“, hieß es.

Unterdessen kündigten einige frühere Mitstreiter von Assange, darunter der Berliner Informatiker Daniel Domscheit-Berg, an, schon in dieser Woche eine neue Organisation unter dem Namen Openleaks ins Leben zu rufen. Tsp

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