Zeitung Heute : Ateliers ohne Zukunft

Der Tagesspiegel

Von Annekatrin Looss

Der Künstlerhof Buch steht vor dem Aus: Er schließt Ende Dezember dieses Jahres. Als einziger kulturellen Einrichtung in Berlin werden dem Hof die Zuschüsse komplett gestrichen. Mit 361 700 Euro pro Jahr wurde das Gut in der Nähe des Bahnhofes Buch bislang unterstützt. Die Nutzung stehe in keinem Verhältnis zur Höhe der öffentlichen Zuschüsse, heißt es in der Kultursenatsverwaltung. Das Konzept, Kunst im Speckgürtel anzusiedeln, sei nicht aufgegangen.

„Angesichts der finanziellen Probleme haben wir uns entschieden, den Betrieb einzustellen“, sagt Carl Gruwert, Verwaltungsdirektor der Akademie der Künste, die 1995 die Trägerschaft über den Hof übernahm. Die fünf Mitarbeiter werden zum Jahresende betriebsbedingt gekündigt. Eine Möglichkeit zur Rettung des Hofes sieht Gruwert nicht. „Wir haben den Hof schon in den vergangenen Jahren aus eigener Tasche unterstützt. Es ist nicht einzusehen, dass wir auf Konzerte und Vorstellungen verzichten müssen, nur damit in Buch das Licht anbleibt. Im Jahre 1990 wurde der Künstlerhof, in dem sich zu DDR-Zeiten das Büro für baubezogene Kunst des Ostberliner Kulturmagistrats befand, von der Senatskulturverwaltung übernommen. Die beauftragte 1995 die Akademie der Künste, den Hof mit Leben zu füllen. Zahlreiche Ateliers, Werkstätten und Proberäume sind seitdem entstanden. Seminare, Workshops und Feste lockten Künstler aus der gesamten Region an. Man habe eng mit den Kliniken und dem in Buch ansässigen Max-Dellbrück-Zentrum zusammengearbeitet, sagt Peter Schaul, Leiter des Künstlerhofes. Mit dem Künstlerhof schließe die einzige nennenswerte Kultureinrichtung der Region.

Ärgerlich für den Steuerzahler ist laut Schaul, dass in den vergangenen Jahren rund zehn Millionen Mark in den Hof investiert wurden. „Wir haben das Gutshaus saniert und Maschinen für die Werkstätten gekauft.“

Peter Schaul und seine Mitstreiter suchen nun nach einem neuen Konzept, dass eine „Mischnutzung“ vorsieht. Eine Miss-Wahl beispielsweise sei auf dem Hof bisher undenkbar gewesen.

Auch dem Senat ist an weiter gesteckten Grenzen unter akzeptablen finanziellen Bedingungen gelegen. Wenn sich bis zum Jahresende aber weder Käufer noch Konzept finden, soll der Hof dem Liegenschaftsfond übergeben und verkauft werden. Doch Peter Schaul hat noch ein wenig Hoffnung: „Wir werden einen Ausweg finden“.

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