Zeitung Heute : Athen fürchtet Rausschmiss aus Euro-Zone

Minister: Mehrere Länder wollen uns nicht mehr.

Athen/Berlin - In Griechenland liegen die Nerven bei Politikern und Bürgern angesichts der stockenden Entscheidung über ein neues Milliarden-Hilfspaket blank. Finanzminister Evangelos Venizelos warf mehreren Euro-Ländern vor, Griechenland nicht mehr in der Gemeinschaftswährung zu wollen. „Es gibt mehrere (Euro-Länder), die uns nicht mehr wollen.“ Zuvor war ein ursprünglich für Mittwoch geplantes Treffen der Euro-Finanzminister auf eine Telefonkonferenz herabgestuft worden. Eine Entscheidung über ein zweites Griechenland-Hilfspaket von rund 130 Milliarden Euro werde am kommenden Montag fallen, sagte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker danach. Beide Regierungsparteien in Griechenland hätten sich verpflichtet, auch nach den für April geplanten Wahlen den vereinbarten Spar- und Reformkurs zu verfolgen, sagte Juncker zur Begründung. Auch sei klar geworden, wie die von der Eurogruppe geforderten neuen Einsparungen von 325 Millionen Euro 2012 zu erreichen seien. Aus Berliner Regierungskreisen hieß es freilich, man werde die Zusagen erst einmal gründlich prüfen.

Die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki beklagte, die griechischen Reformanstrengungen würden in der EU nicht ausreichend gewürdigt. Mit der Zustimmung des Parlaments zum drastischen Sparkurs hätten Konservative und Sozialisten erstmals gemeinsam die kritische Lage ihres Landes anerkannt, sagte Damanaki dem Tagesspiegel. Sie habe den Eindruck, dass dies „in einigen europäischen Hauptstädten“ unterschätzt werde.

Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok (CDU), plädierte dafür, die Wahlen in Griechenland zu verschieben. „Ich glaube, dass der italienische Weg sehr viel besser ist“, sagte er dem Tagesspiegel. Italiens Regierungschef Mario Monti kann seine Reformen bis zu den Wahlen im Frühjahr 2013 umsetzen. In Griechenland sind die nächsten Parlamentswahlen hingegen für April geplant. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nannte die Wahl in zwei Monaten „sehr bedenklich“.öhl/ame/AFP

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!