Attentäter von Toulouse : Polizei beginnt mit Erstürmung des Verstecks

Die Polizei setzt dem stundenlangen Versteckspiel offenbar ein Ende. Französische Medien berichten von Explosionen. Die Polizei soll mit der Erstürmung des Unterschlups des mutmaßlichen Attentäters begonnen haben.

Die Polizei in Toulouse. Stundenlang hatten sie vor dem Gebäude gewartet, in dem sich Mohamed M. verschanzt hat.
Die Polizei in Toulouse. Stundenlang hatten sie vor dem Gebäude gewartet, in dem sich Mohamed M. verschanzt hat.Foto: dapd

Die französische Polizei hat mit der Erstürmung des Verstecks des mutmaßlichen Attentäters von Toulouse begonnen. Dies sagte ein Mitarbeiter der französischen Polizei der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend. In der Nähe des Hauses, in dem sich Mohamed M. seit mehr als 20 Stunden verschanzt, waren am Mittwochabend drei Explosionen zu hören, wie französische Medien berichten. Die Polizei hat das Gebäude abgeriegelt.

Zuvor hatten in die französische Polizei am Mittwochmorgen den mutmaßlichen Täter in einem Großeinsatz in die Enge getrieben. Hunderte Einsatzkräfte umstellten gegen 3 Uhr früh ein Haus im Viertel Croix-Daurade, in dem sich der Verdächtige verschanzt hatte. Nach einem Schusswechsel zwischen der Polizei und dem als Mohamed M. identifizierten Mann, bei dem drei Beamte verletzt wurden, entwickelte sich ein Nervenkrieg: Der Franzose algerischer Abstammung – sein Alter wird mit 23 oder 24 Jahren angegeben – kündigte mehrmals an, sich zu stellen. Dann brach er den Kontakt ab, war aber später wieder zu Verhandlungen bereit. Am späten Abend erklärte er nach den Worten von Frankreichs Innenminister Claude Guéant, er werde sich in der Nacht stellen. Alle Bewohner des fünfgeschossigen Hauses waren bereits bis zum Mittag über das Dach evakuiert worden.

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Guéant sagte, der Verdächtige habe erklärt, Al Qaida anzugehören. Den Behörden sei bekannt, dass er einige Zeit in Afghanistan und Pakistan verbracht habe. Der mutmaßliche Täter wolle „Rache für die palästinensischen Kinder nehmen“, die im Nahen Osten getötet worden seien. Darüber hinaus sei er wütend wegen der französischen Militäreinsätze im Ausland. Er habe bereits jahrelang unter Beobachtung gestanden. Nach Angaben der afghanischen Behörden wurde M. 2007 in dem Land festgenommen, weil er Bomben gelegt haben soll. 2008 sei er bei einer Massenflucht entkommen, sagte der Direktor des Gefängnisses von Kandahar, Ghulam Faruk.

Mohamed M. gab nach Angaben des zuständigen leitenden Staatsanwalt François Molins im Gespräch mit Polizisten zu, am Mittwoch einen Anschlag gegen einen weiteren Soldaten geplant zu haben. Zudem habe der Mann Polizisten erschießen wollen. Er habe bedauert, nicht noch mehr Opfer getötet zu haben. Aus Ermittlerkreisen verlautete zuvor, man sei zuversichtlich, dass es sich um den Todesschützen handele, der am Montag vor einer jüdischen Schule vier Menschen erschossen hatte. Er wird auch mit Mordanschlägen auf drei Fallschirmjäger in Verbindung gebracht. Ein Soldat wurde am 11. März in Toulouse erschossen, zwei weitere am 15. März in der nahe gelegenen Stadt Montauban. Die Männer waren arabischer und französisch-karibischer Herkunft. Aus Justizkreisen verlautete, M.s Mutter sei ebenso wie sein Bruder und dessen Begleiterin zur Befragung in Gewahrsam genommen worden. Im Auto des Bruders habe die Polizei Sprengstoff gefunden.

Frankreich im Schockzustand
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Die Ermittler waren M. kurz nach dem Anschlag auf die Schule übers Internet auf die Spur gekommen. Dort hatte er sein erstes Opfer wegen einer Kaufanzeige kontaktiert. Die IP-Adresse konnte dem PC seiner Mutter zugeordnet werden. Vom französischen Geheimdienst war M. wegen seiner Reisen nach Afghanistan und Pakistan im November verhört worden.

Staatspräsident Nicolas Sarkozy rief die Bürger seines Landes zur Einheit auf. „Der Terrorismus wird es nicht schaffen, unsere nationale Gemeinschaft zu spalten“, sagte er nach einem Treffen mit Vertretern der jüdischen und muslimischen Gemeinschaft in Paris. Sarkozy fuhr danach zur Trauerfeier für die ersten drei Opfer nach Montauban. Die vor der Schule erschossenen Opfer wurden in Jerusalem bestattet. dapd/AFP/rtr

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