Attentat von Toulouse : Nach 30 Stunden: Attentäter erschossen

Spezialeinheit stürmt das Haus in Toulouse. Mordserie bestimmt auch den französischen Wahlkampf.

Abmarsch. Die Spezialkräfte der Polizei verlassen nach der Erstürmung des Hauses in Toulouse den Tatort.
Abmarsch. Die Spezialkräfte der Polizei verlassen nach der Erstürmung des Hauses in Toulouse den Tatort.Foto: dapd

Nach mehr als 30 Stunden Belagerung hat die französische Polizei den mutmaßlichen Serienmörder von Toulouse erschossen. Die Beamten stürmten am Donnerstagvormittag die Wohnung, in der sich der 23 Jahre alte Mohamed Merah seit dem frühen Mittwochmorgen verschanzt hatte. Bei dem fünfminütigen schweren Feuergefecht seien auch zwei Polizisten verletzt worden, sagte Innenminister Claude Guéant. Der Mann soll in den vergangenen Tagen vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Religionslehrer erschossen haben. Am 11. und 15. März soll er mit derselben Waffe in Toulouse und Montauban drei Soldaten umgebracht haben.

Der mutmaßliche Mörder hatte angekündigt, sich nicht ergeben, sondern eher mit der Waffe in der Hand sterben zu wollen. Das war bei seinem letzten Kontakt mit der Polizei am späten Mittwochabend. Seitdem hatten die Beamten von dem schwer bewaffneten Mann nichts mehr vernommen. Nachdem er auch auf Schallbomben und Blendgranaten, die die Polizei durch ein Fenster in die Wohnung warf, nicht reagierte, entschloss sich die Einsatzleitung, die Wohnung stürmen zu lassen. Als Beamte der Antiterroreinheit Raid sich dem Badezimmer näherten, feuerte Merah durch die verschlossene Tür. Anschließend sprang Merah weiter schießend vom Balkon - und wurde dabei erschossen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft starb Merah durch einen Kopfschuss der Polizeikräfte. Dabei habe es sich um einen Akt legitimer Selbstverteidigung gehandelt. Der 23-Jährige selbst habe etwa 30 Schüsse beim Sturm auf seine Wohnung abgegeben. Bei seiner Leiche sei ein großkalibriger Colt entdeckt worden. Es sei alles getan worden, um ihn lebendig zu fassen. In zwei Autos seien mehrere Waffen und Bargeld gefunden worden, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Der Mann habe alle seine Bluttaten gefilmt. Sie seien auf den entdeckten Videofilmen erschreckend deutlich zu erkennen. Trotz geheimdienstlicher Überwachung habe nichts auf seine radikale Entschlossenheit hingewiesen, sagte der Staatsanwalt François Molins.

Die Mordserie hat auch Auswirkungen auf den französischen Präsidentschaftswahlkampf. „Man hätte über diesen Mann alles wissen können“, hielt Marine Le Pen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy vor. Für die Präsidentin der rechten Nationalen Front ist die Frage einer möglichen Nachlässigkeit des Geheimdienstes willkommener Stoff im Wahlkampf. Auch andere Politiker wie François Bayrou, der Kandidat der Zentrumspartei Modem, äußerten Zweifel daran, dass Geheimdienst und Polizei wirklich alles getan hätten, was in ihrer Macht stand, um die Morde zu verhindern. Außenminister Alain Juppé kündigte an: „Es muss Klarheit geschaffen werden, ob es ein Versagen gab.“ Präsident Sarkozy versprach eine schärfere Überwachung: „Jede Person, die regelmäßig im Internet Webseiten konsultiert, die den Terrorismus predigen, die zu Hass und Gewalt aufrufen, wird bestraft.“ Zudem müsse verhindert werden, dass in Gefängnissen fundamentalistisches Gedankengut verbreitet werde.

Am Donnerstagnachmittag erklärte sich eine dem Terrornetzwerk Al Qaida nahestehende Organisation für die Anschläge verantwortlich. Die Gruppe namens Dschund al Chilafah (Die Soldaten des Kalifats) forderte Frankreich in einer im Internet veröffentlichten Botschaft auf, seine „feindliche“ Politik gegenüber Muslimen aufzugeben. mit dpa/AFP

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