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Bahnhof Zoo verkraftet den Ausfall des Fernverkehrs

Andrea Puppe

Ein Dauerthema für Berlin: Seit die Deutsche Bahn die ICE-Züge nicht mehr am Bahnhof Zoologischer Garten halten lässt, sehen viele Westberliner das Areal um den legendären Bahnhof untergehen. Nach der Fertigstellung des Hauptbahnhofes könnte die Station am Zoo in der Bedeutungslosigkeit versinken, lauten die Befürchtungen. „Bahnhofsneubauten haben weitreichende Folgen für die Stadt“, bestätigt Professor Dietrich Henckel vom Institut für Stadt- und Regionalplanung (ISR) der TU Berlin. „Die Ankündigung der Deutschen Bahn AG, am Bahnhof Zoologischer Garten keine Fernzüge mehr halten zu lassen, hat eine Menge Ängste ausgelöst.“

Studenten des Institutes haben jetzt untersucht, welche Auswirkungen die Verlagerung des Fernverkehrs an den Hauptbahnhof haben könnte. Sie recherchierten in Zeitungsarchiven, waren in den Bahnhöfen unterwegs und führten 25 Expertengespräche. Dafür fuhren sie auch nach Wien, Stuttgart und Leipzig. Ein Online-Fragebogen zur Nutzung der Bahnhöfe brachte 549 auswertbare Rückläufe.

Wie im Vorfeld erwartet, nahm die Zahl der Fahrgäste am Bahnhof Zoologischer Garten zwar ab. Als wichtiger Regionalbahnhof und bedeutender Knotenpunkt für den öffentlichen Nahverkehr und Regionalzüge verlor er jedoch kaum an Bedeutung. Der Fernverkehr sei eher eine zusätzliche Belastung für die verkehrliche und bauliche Substanz der Station gewesen, konstatieren die studentischen Ermittler in ihrem Bericht.

Es stellte sich heraus, dass sich die Fahrtzeit für die Hälfte der online Befragten mit der Eröffnung des Hauptbahnhofes nicht veränderte. Auch die Nachfrage nach Immobilien in der City-West sei ungebrochen stark. Die Einzelhändler im Bahnhof haben nach den Beobachtungen der Studenten ihr Angebot den Bedürfnissen von Berufspendlern angepasst, Ladengeschäfte hätten nicht lange leer gestanden. Das sind andere Ergebnisse, als zunächst erwartet.

Für den Hauptbahnhof hatten die Studenten zurückhaltende Erwartungen. Sie wurden positiv überrascht. Obwohl es länger dauern dürfte, das Umfeld des Hauptbahnhofes städtebaulich zu entwickeln, sei der Hauptbahnhof schon seit seiner Eröffnung vor zwei Jahren ein Anziehungspunkt. Von ihm werden starke Entwicklungsimpulse für die Umgebung ausgehen. Die Station müsse allerdings – wie schon lange geplant – besser an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden werden.

Die Studenten der TU Berlin empfehlen, das Image des Bahnhofs Zoologischer Garten aufzuwerten. Für den Hauptbahnhof in der neuen Mitte müsse die Bedeutung als Kreuzungsbahnhof stärker herausgearbeitet werden. Die Sichtachsen zum architektonisch bemerkenswerten Hauptbahnhof sollten erhalten und eine direkte und schnelle Anbindung an den künftigen Großflughafen Berlin-Brandenburg-International (BBI) in Schönefeld realisiert werden.

Letztlich bewerten die Studenten die Auswirkungen der Verlagerung des Fernverkehrs an den Hauptbahnhof für beide Stationen positiv: In naher Zukunft sind an beiden Standorten große Investitionen zu erwarten.

In den Gesprächen, die die Studenten mit Bahn- und Planungsexperten führten, wurde auch deutlich, dass sich der bereits abzeichnende Trend zum „Einkaufszentrum mit Gleisanschluss“ fortsetzen wird: Der Bahnhof der Zukunft ist nicht länger nur Verkehrsknotenpunkt. Er muss auch wirtschaftlich vermarktbar sein. Andrea Puppe

Infos im Internet: www.

stadtundbahnhof.de

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