Zeitung Heute : Aubis-Chefs Wienhold und Neuling wieder in Haft

Der Tagesspiegel

Von Katja Füchsel und Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Aubis-Geschäftsführer und CDU-Mitglieder Klaus Wienhold und Christian Neuling, Symbolfiguren der Berliner Banken- und Spendenaffäre, sind am Mittwoch erneut festgenommen worden. Das Landgericht Berlin setzte die Haftbefehle wieder in Vollzug, die der zuständige Haftrichter am 20. Februar aufgehoben hatte.

Die Staatanwaltschaft legte dagegen Beschwerde ein. Mit Erfolg. Die Große Strafkammer des Landgerichts sah den dringenden Tatverdacht des schweren Betrugs und des versuchten Prozessbetrugs in einem Beschluss vom Dienstag als gegeben an und folgte der Argumentation der „Sonderermittlungsgruppe Bankgesellschaft“, dass Fluchtgefahr bestehe. Wienhold und Neuling wurden gestern um 10.45 Uhr festgenommen und am Nachmittag erneut dem Haftrichter vorgeführt. Der Ex-Leiter der Ermittlungsgruppe nahm an der Haftprüfung teil.

Beide Verdächtige sollen bei der Lieferung von Heizenergie für fast 10000 Plattenbauwohnungen in Ostdeutschland in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Nach bisherigen Erkenntnissen der Berliner Staatsanwaltschaft beträgt der Schaden mindestens 2,6 Millionen Euro. Jeweils 600000 Mark seien auf die persönlichen Konten von Wienhold und Neuling geflossen. Die Ermittler sehen „zureichende Anhaltspunkte“, dass die Beschuldigten inoffiziell an dem Wärmelieferanten Elpag beteiligt waren, der die Heizenergie zu überhöhten Preisen an die Aubis-Plattenbauten geliefert haben soll.

Der Kredit gebenden Berlin Hyp hatten die Aubis-Chefs versichert, die Verträge seien zu marktgerechten Konditionen abgeschlossen worden. Der Vorwurf des Prozessbetrugs bezieht sich auf ein Zivilgerichtsverfahren in Leipzig, wo die Verhafteten die Unwahrheit gesagt haben sollen. Trotzdem entließ Haftrichter Karsten Ziegler, ehemals Sprecher der Justizverwaltung unter Eberhard Diepgen, Wienhold und Neuling vor einer Woche nach wenigen Stunden wieder aus der Haft. Gestern war ein anderer Richter zuständig.

Gegen die beiden Geschäftsleute, die mit Großkrediten der Berlin-Hannoverschen Hypothekenbank tausende Plattenbauten in den neuen Ländern aufkauften, um mit deren Sanierung und Wiederverkauf Geld zu verdienen, wird seit langem ermittelt. Die Rechnung von Wienhold und Neuling ging aber nicht auf, ein Teil der Kredite wurde Not leidend. Dies war der Ausgangspunkt für den Berliner Bankenskandal, für den Berlin in Milliardenhöhe geradestehen muss.

Beide Verdächtige waren in West-Berliner Zeiten aktive CDU-Funktionäre. Neuling als Bundestagsabgeordneter und Vize-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Wienhold als CDU-Landesgeschäftsführer und Mitglied des Landesparlaments. 1995 spendeten sie der Union 40000 Mark, die der ehemalige Berlin Hyp-Chef und CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky entgegennahm.

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