Zeitung Heute : Auch Bushs ruhige Hand zittert

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Dass die Börse Prognosefunktion für die Wirtschaft hat, ist bekannt. Jeder Politiker ist gut beraten, wenn er die Signale des Aktienmarktes beachtet. Der Dow Jones-Index ist am vergangenen Freitag um fast fünf Prozent gefallen, in den vergangenen Wochen um insgesamt mehr als zwanzig Prozent. US-Präsident George Bush könnte nun den Anfang machen und sich die Frage stellen, warum seine Rede über unternehmerische Verantwortlichkeit vor wenigen Tagen statt Vertrauen genau das Gegenteil erzeugt hat. Man darf bezweifeln, dass die Investoren Trost darin finden, wenn Bush die Prüfung der Fortune-1000-Unternehmen durch die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC gutheißt. Wo mit Bedacht Aufsicht geleistet werden sollte, regiert nun blanker Aktionismus. Ein waches Auge auf den Aktienmarkt zu haben, hat US-Präsidenten viel Kummer erspart. John F. Kennedy musste schnell seine Fehler einsehen, als er versuchte, sich um ein Inflationsproblem herumzumogeln, indem er die Manager der Stahlindustrie wegen Preiserhöhungen angriff. George Bush senior hätte es vielleicht zu einer zweiten Amtszeit gebracht, wenn er nicht eine kontraproduktive Schreckensherrschaft gegen Bankdirektoren und verantwortliche Kreditgeber unterstützt hätte. Während Präsident Bush junior Verantwortlichkeit in den oberen Unternehmensetagen anmahnt, gibt es nicht wenige Demokraten, die nur allzu gern einen Börsen-Crash herbeiführen und eine nachfolgende Rezession in Kauf nehmen würden. Die könnte ihnen behilflich sein, bei den Wahlen im kommenden Herbst die Kontrolle im Senat zu halten. Wenn die Bush-Leute sich nicht vorsehen, werden sie genau das erleben. Die US-Wirtschaft hat sich als bemerkenswert robust erwiesen, insbesondere angesichts der Ausmaße des Booms Ende der neunziger Jahre. Der durchschnittliche Investor ist ebenfalls tapfer bei der Stange geblieben. Das Letzte, was die Wirtschaft braucht, ist eine herbeigeredete „Krise des Vertrauens“, die auch die Verbraucher beunruhigt. Der wirtschaftliche Fortschritt in den letzten 20 Jahren war das Ergebnis amerikanischen Unternehmergeistes, der nicht mehr durch schlechte Geldpolitik, übermäßige Regulierung und hohe Steuern behindert wurde. Solche Zuwächse sind fragiler, als viele Politiker glauben.

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