Auch das noch : Ende dieser Tour

Heute hinauf, immer höher. Fort von Orthez, schneller, weiter, höher, näher mein Gott zu dir – wenn er denn da ist, über den Wolken, oben am Col d’Aubisque. Wahrscheinlich ist er dort nicht, bei allen Heldengeschichten, die es von diesem Berg, einem der Mythen der Tour de France, zu erzählen gäbe.

Die jüngste Geschichte ist eine Schurkengeschichte, eine vom Helden, der Held nur in der Lüge war: Alexander Winokurow, Radprofi vom kasachisch-schweizerischen Astana-Team, vor der Tour de France einer ihrer Favoriten, dabei stets höchst dopingverdächtig, während der ersten Tage der Tour gestürzter und wieder aufgestandener Held, fast schon mythentauglich mit seinen Verletzungen, dieser Winokurow ist nichts weiter als ein weiterer gedopter Radprofi. Enttarnt als Blutaustauscher, woraufhin sich sein gesamtes Team, das von Astana, von der Tour verabschiedet hat. Für Andreas Klöden, den Deutschen im Team und auch der gleichermaßen favorisiert wie verdächtig, ist damit der Traum, vielleicht weil er auf der Chimäre fußt, beendet.

Damit ist der Weg für den Gesamtsieg frei für Michael Rasmussen, den Dänen, oder für Alberto Contador, den Spanier. Ein freier Weg? Beide haben genug getan, um als keinen Deut sauberer zu gelten als Winokurow und all die anderen bereits überführten Betrüger. Rasmussen wurde vor wenigen Tagen von seinem dänischen Landesverband aus dem Kader gestrichen, weil er sich mehrfach den obligatorischen Kontrollen entzogen hatte, Contador können Verbindungen zu den spanischen Blutpanschern nachgewiesen werden, die seine Leistungen in anderem als bewunderndem Licht erscheinen lassn.

Heute ist bei der Tour der Tag der Königsetappe. Steil bergauf, so schlimm war es davor nicht und wird es danach nicht mehr sein. Ah, was kann man alles erzählen von den Qualen am Col d’Aubisque, tolle Geschichten, Mythen im Bündel. Von Octave Lapize, der 1910 nach dem Aufstieg den Organisatoren „Mörder“ zugerufen hat, „verfluchte Mörder“! Von Wim van Est, einem Niederländer, der 1951 am Aubisque tief in eine Schlucht stürzte und von den Kollegen mit zusammengebundenen Fahrradschläuchen wieder ins Leben zurückgeholt wurde. Es sind wahre Geschichten. Nur leider gibt es hinter denen noch eine andere Wahrheit. Die der Lüge. uem

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