Zeitung Heute : „Auch die Forschung kennt Grenzen“ Medizinrechtler Ehlers über

ein internationales Klon-Verbot

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ALEXANDER EHLERS (48),

der Rechtsanwalt, Arzt

und Hochschulprofessor

lehrt Medizinrecht ,

unter anderem an

der Universität München.

Foto: R/D

Überrascht es Sie, dass die neuesten Erfolgsmeldungen der Genforschung aus Südkorea kommen?

Ein bisschen schon. Das koreanische Forschungsergebnis scheint wisschenschaftlich ausgezeichnet zu sein. Aber andere Länder sind in der Forschung eher führend, die USA oder europäische Staaten. Andererseits ist der Umgang mit dem Thema hier sensibler und die meisten Forscher zurückhaltender.

Politiker fordern ein weltweites Verbot, das auch das so genannte therapeutische Klonen umfasst. Wer könnte es verhängen?

Jeder Staat kann natürlich, wie etwa Deutschland, für sein Staatsgebiet ein Verbot verhängen. Darüber hinaus gibt es die Bemühungen um eine UN-Konvention. Vor allem die Frage, ob ein Verbot auch das therapeutische Klonen, das ja der Heilung dienen soll, einschließen soll, ist umstritten. Zunächst müsste sich die Staatengemeinschaft auf eine Linie einigen, der Vertrag müsste unterzeichnet und ratifiziert werden. Nur die Staaten, die dem Vertrag beitreten, unterwerfen sich den möglichen Sanktionsmaßnahmen.

Wie könnte das Klonverbot durchgesetzt werden?

Durch eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof. Aber das geht nur bei den Staaten, die dem Vertrag zuvor beigetreten sind. Zudem ist es bekanntermaßen schwierig, einmal verhängte Sanktionen auch zu vollziehen. Die UN mussten da ja in den letzten Jahren viele Rückschläge hinnehmen.

Gibt es europäische Alternativen zu einem weltweiten Verbot?

Für die Mitglieder des Europarates gibt es die Bioethik-Konvention, seit 1998 auch das Zusatzprotokoll, das das Klonen verbietet. Gegen Verstöße müssen die Unterzeichnerstaaten Gesetze erlassen, die etwa Berufsverbote oder Haftstrafen vorsehen. Überwacht ein Staat das Verbot nicht, besteht Klagerecht vor dem Europäischen Gerichtshof. Aber bisher haben nur zehn Staaten das Protokoll ratifiziert.

Wenn sich nicht mal Europa auf ein schnelles Verbot einigen kann, dürfte es weltweit erst recht unmöglich sein.

Es ist ja auch eine ganz schwierige Abwägungsfrage. Viele Wissenschaftler argumentieren: Wenn wir diesen Weg nicht gehen, verschließen wir uns gerade bei sehr schwerwiegenden Erkrankungen therapeutische Optionen, die wir theoretisch schaffen könnten. Dem stehen fundamentale Menschenrechte entgegen.

Schwächt ein rein nationales Verbot nicht den Forschungsstandort Deutschland?

Können wir, wenn andere sich unethisch verhalten, akzeptieren, dass wir uns auch unethisch verhalten? Wir haben keine Vorstellung davon, wohin uns die jetzt geöffneten Türen führen können. Deswegen kann ich mit der restrikitven deutschen Haltung sehr gut leben. Es gibt noch einen weiteren wichtigen Punkt. Manche Forscher gehen davon aus, dass die derzeitige Technik des Klonens von Stammzellen ohnehin bald durch innovative Technologien überholt sein könnte. Die Forschung sollte gewisse moralische, ethische, juristische und religiöse Grenzen nicht überschreiten.

Das Gespräch führte Alexander Visser.

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