Zeitung Heute : Auch die Moskauer zeigen Interesse

Fast jeder dritte Besucher der Energietage stammt von auswärts

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Sind die Berliner Energietage ein regionales Ereignis oder wirken Sie über die Landesgrenzen hinaus?

Neben ihrer regionalen Wirkung haben die Berliner Energietage inzwischen auch überregional eine große Bedeutung. Institutionen Berlins und des Bundes kooperieren sehr effektiv beim Erstellen des Programmes. Inzwischen kommen rund dreißig Prozent der Teilnehmer aus den anderen Bundesländern und dem Ausland. Wir sind übrigens auch international aktiv. Ein KooperationsWorkshop beschäftigt sich zum Beispiel mit dem Transfer von Energiespar-Technologien von Berlin nach Moskau. Und mit Verlaub: In der Bundesrepublik gibt es kaum eine Veranstaltung, die von ihrer inhaltlichen Breite an die Berliner Energietage heranreicht. Kurzum die Berliner Energietage haben schon eine Scharnierfunktion. Sie verbinden die lokalen Berliner Spieler mit der Bundesliga. Damit leisten wir auch einen kleinen Beitrag dazu, dass Berlin noch stärker zum Testfeld für Energieinnovationen in Deutschland wird.

Kooperieren Sie auch mit anderen Energiesparberatern?

Die Berliner Energietage führen wir gemeinsam mit der Deutschen Energie-Agentur (dena) durch. In unseren Programmen, in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Durchführung von Maßnahmen ergänzen wir uns hervorragend. So erreichen wir deutlich mehr als wenn jede der beiden Organisationen allein arbeiten würde. Natürlich kooperieren wir auch intensiv mit den verschiedenen Berliner Verbänden und den Impuls-Programmen der anderen Bundesländer. Im Prinzip arbeiten wir in Netzwerken und erzielen so mit relativ geringem Aufwand recht große Wirkung.

Welchen Schwerpunkt haben die Berliner Energietage?

Energie-Innovationen bilden den Schwerpunkt der Berliner Energietage. Es geht zum Beispiel um politische Rahmenbedingungen, um neue Energie-Management-Systeme und um innovative Energietechnik. Diese Fragen werden für die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen wie die Industrie, die Wohnungswirtschaft oder für Techniker und Berater jeweils gezielt aufbereitet. Die über 30 Fachtagungen sind zeitlich so geplant, dass die verschiedenen Zielgruppen jeweils ein attraktives Dreitagesprogramm vorfinden.

Können wir uns in der momentan angespannten Wirtschaftslage Energiesparen überhaupt leisten?

Ganz im Gegenteil, wir müssen es uns leisten! Gerade in dieser Situation müssen die vorhandenen Mittel möglichst optimal eingesetzt werden. Genau darum geht es bei den langfristigen Investitionen in die Energietechnik. Eine schlechte Dämmung der Außenwand muss man zum Beispiel in den nächsten zwanzig Jahren durch zu hohe Betriebskosten abzahlen.

Welche Aktivitäten verfolgt das Berliner ImpulsE-Programm?

Natürlich sind die Berliner Energietage das „Leuchtfeuer“ unseres Programms. Unsere Hausaufgaben machen wir allerdings in anderen Bereichen, die oft erheblich weniger spektakulär sind. So haben wir gerade eine Veranstaltungsreihe für Hauseigentümer durchgeführt, in der Wissen über Möglichkeiten der energiesparenden Gebäudesanierung vermittelt wurde. Diese Reihe werden wir übrigens bald fortsetzen. Aber wir beraten zum Beispiel Wohnungsunternehmen und Bauherren auch ganz konkret. Dabei informieren wir etwa auch über den Berliner Energiedienstleistungsstandard B.E.ST. ein Energiedienstleistungsmodell, das vom Berliner Senat entwickelt wurde. Und wir geben eine Energie-Zeitschrift, einen Newsletter und verschiedene Broschüren zum Energiesparen heraus.

An wen wendet sich das Berliner ImpulsE-Programm?

Berlin ist schon gebaut. Deshalb konzentrieren wir uns auf die Erschließung von Energiesparpotentialen in bereits bestehenden Gebäuden. Hier wollen wir dazu beitragen, das Modernsierungstempo zu erhöhen und den Einsatz möglichst energiesparender Technik zu fördern. Unsere Adressaten sind vor allem Entscheidungsträger und Multiplikatoren wie Bauherren, Architekten, Planer und Energiebeauftragte. So erreichen wir Schneeball-Effekte, durch die unsere Informationen am Ende auch beim Mieter ankommen.

Sind das nicht etwas unrealistische Ziele für ein Informations- und Bildungsprogramm?

Im Gegenteil! Vielfach bestehen ja keine objektiven Probleme, etwa bei der Finanzierbarkeit von Energiesparmaßnahmen, wo gerade wieder neue Förderprogramme aufgelegt wurden. Nur weiß kaum einer davon. Da klemmt es eher bei der Information und Motivation der Bauherren, für die Energie verständlicherweise nur ein kleines Thema unter vielen ist. Hier setzen wir an.

Was bewirken Ihre Aktivitäten?

Leider kann man die Effekte von Informations- und Bildungsarbeit nur schwer messen. Aber oft genug stehen bei uns die Telefone nicht mehr still. Offensichtlich erreichen diese Informationen also ihren Adressaten. Häufig erhalten wir auch direkte Rückmeldungen, wenn Energiesparmaßnahmen in unserem Sinn umgesetzt wurden.

Das Interview führte Roland Knauer.

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