Zeitung Heute : Auch mit 50 lernt man noch

Katharina Klink (dpa)

Ältere Mitarbeiter haben in vielen Unternehmen keinen leichten Stand. Mitarbeiter ab 50 manchmal sogar schon ab 45 Jahren müssen sich oft auf skeptische Blicke jüngerer Kollegen einstellen. Doch in Zeiten, in denen über eine längere Lebensarbeitszeit diskutiert wird, stellen Experten erste Veränderungen in der Haltung zu älteren Arbeitnehmern fest. „Es wächst langsam das Bewusstsein, dass sich jemand nicht entschuldigen muss, wenn er mit 50 noch nicht an die Rente denkt“, sagt Jürgen Hesse, Diplom-Psychologe und Buchautor aus Berlin.

„Die meisten Vorurteile haben gar nicht die Jungen, sondern vor allem gleichaltrige oder ältere Kollegen auf höheren Führungsebenen“, sagt Joachim Dung, Sprecher der Deutschen Seniorenliga (DSL) in Bonn. Gängig sei die Vorstellung, dass Älteren Schwung und Ehrgeiz fehle. Verbreitet sei auch die Ansicht, dass im Alter die Anpassungsfähigkeit an neue Techniken nachlässt. „Das ist aber nicht richtig“, sagt Dung. Werde die Technik erst einmal erlernt, entwickelten ältere Mitarbeiter die gleichen Fähigkeiten wie junge. Allerdings müssten sich Betroffene selbst um neue Qualifikationen kümmern, vor allem, wenn sie das Gefühl hätten, unterschätzt zu werden, ergänzt Hesse.

Vor allem größere Unternehmen beginnen den Experten zufolge damit, über eine stärkere Weiterbildung ihrer älteren Kollegen nachzudenken. „Im Mittelstand ist das noch schwieriger, denn so etwas ist immer auch eine Kostenfrage“, sagt Dung. Junge Mitarbeiter neu einzustellen, sei überdies anfangs meist billiger. Die Unternehmen beachteten dabei jedoch nicht, dass ältere Kollegen ihren Erfahrungsschatz ins Unternehmen mitbrächten.

Wer als älterer Mitarbeiter den Vorurteilen von Kollegen ausgesetzt ist, sollte sich um Gelassenheit bemühen, empfehlen die Karriere-Experten. „Wird man von einem Kollegen mal nicht gegrüßt, muss das nicht gleich bedeuten, dass der nichts mehr mit einem zu tun haben will.“

Mit den Erfahrungen der vergangenen Berufsjahre können sich die Betroffenen fragen, wo sie stehen und welche Möglichkeiten sie haben. „Das kann bedeuten, dass man sich für eine andere Stelle im gleichen Unternehmen interessiert.“ Wer sich auf die Suche nach einem neuen Job macht, sollte bei seiner Bewerbung übrigens das Alter nicht zu stark betonen, meint DSL-Sprecher Dung. Eine „Rechtfertigungshaltung“ sei überhaupt nicht nötig.

Informationen: Deutsche Seniorenliga, Gotenstraße 164, 53175 Bonn. Im Internet: www.atlantis-city.de

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