Zeitung Heute : Auch ohne Erfahrung gut

Fünf Porträts von Gründern, die sich mit dem Fördermodell Ich-AG selbstständig gemacht haben. Sie bekommen drei Jahre lang Geld vom Staat

Dagmar Rosenfeld

Vor einem Jahr sind sie gegründet worden, die ersten Ich-AGs in Berlin. Ich-AG, das klingt zwar nach Vorstandszimmer mit Mahagonischreibtisch, hat in Wirklichkeit aber mehr mit abgeschabten Plastikbänken auf Arbeitsamtsfluren zu tun. Denn die Ich-AGs sollen dazu beitragen, dass dort bald weniger Menschen sitzen, die einen Job suchen.

Seit dem 1.Januar 2003 gibt es die Ich-AG, ein Existenzgründungszuschuss für Arbeitslose, die sich selbstständig machen wollen. Die Förderung ist auf maximal drei Jahre befristet: Im ersten Jahr zahlt das Arbeitsamt 600 Euro monatlich, im zweiten 360 Euro und im dritten 240 Euro. Das Geld wird jeweils für ein Jahr bewilligt und nur dann weiter gezahlt, wenn die Ich-AG einen Gewinn von 25 000 Euro nicht überschreitet.

Bisher haben deutschlandweit 107 150 Menschen eine Ich-AG gegründet. Damit ist die für 2003 von der Bundesagentur für Arbeit angepeilte Zahl von 20000 Gründungen weit überschritten. Dass die Zahl der Arbeitslosen, die sich selbstständig machen, im vergangenen Jahr deutlich gestiegen ist, bestätigt auch eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): 2003 war jeder vierte Gründer beim Arbeitsamt gemeldet gewesen, bevor er sein eigener Chef wurde.

Ob die Ich-AGs allerdings eine dauerhafte Entlastung für den Arbeitsmarkt bringen, bleibt abzuwarten. „Das werden wir wohl erst in zwei Jahren wissen“, sagt Olaf Möller, Sprecher des Regionaldirektion Berlin-Brandenburg (früher auch Arbeitsamt genannt). Dann nämlich läuft die Förderung für die ersten Ich-AGs aus und es wird sich zeigen, welche Unternehmen auch ohne Bezuschussung überleben. Möllers Behörde zumindest hat bislang bereits 300 Abmeldungen verzeichnet. Bleiben immer noch 13200 Ich-AG-ler übrig, die sich derzeit in Berlin und Brandenburg als Unternehmer erproben. Fünf davon stellen wir auf dieser Seite vor.

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