Zeitung Heute : Auch über 50 setzt sich das Netz durch

Torsten Hampel

Ältere Menschen nutzen zunehmend das Internet. Das ist ein Ergebnis einer bisher unveröffentlichten Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen. Der Studie des Meinungsforschungsinstitutes Infas zufolge nutzen zehn Prozent der 50- bis 64-jährigen das Internet. Bei den 65- bis 69-jährigen sind es sieben Prozent und bei den 70- bis 75-jährigen vier Prozent. Die Bundesregierung nimmt diese Zahlen als Ausweis einer "sehr erfreulichen Entwicklung". Im Jahr 1997 hätten nur drei Prozent der über 55-jährigen das Internet genutzt, heißt es in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der PDS-Fraktion im Bundestag.

Ältere Menschen sind Neuem gegenüber grundsätzlich zurückhaltend und vorsichtig. Sie haben häufig nicht die Gelegenheit, neue Technologien kennen zu lernen. Laut einer Erhebung im Rahmen der Aktionswoche Senior-Info-Mobil sind 37 Prozent der Älteren beim Finden von Informationen im Internet überfordert, für die Hälfte ist die Bedienung des Computers zu kompliziert. Ein Viertel bemängelt, dass altengerechte Inhalte im Netz fehlen. Die Kosten für einen Computer und den Internet-Zugang sind 45 Prozent der Befragten zu hoch.

Mit dem Anspruch, die Lücke im Netz schließen zu helfen, startete am Mittwoch der Informations- und Ideenpool " www.senioren-initiativen.de ". Er wurde für 350 000 Mark im Auftrag des Seniorenministeriums vom Frankfurter Institut für soziale Infrastruktur erstellt. Die Kurzbeschreibungen und Kontaktadressen von über 500 Senioreninitiativen aus den Bereichen Soziales, Kultur, Umwelt, Gesundheit, Bildung und Politik finden sich in der Datenbank.

Angesichts des fehlenden Web-Angebots für Alte sei die "Industrie aufgefordert, das zu ändern", sagte Seniorenministerin Christine Bergmann beim Start der Datenbank am Mittwoch in Berlin. Sie sei sicher, dass sich der Mangel "relativieren wird, wenn die Anbieter die Marktchancen erkennen, die hier für sie bestehen".

Aber das ist nicht das einzige Motiv dafür, die Schaffung altengerechter Websites zu forcieren. Das Internet ist ein Medium der gesellschaftlichen Teilhabe. Besonders den Gebrechlichen und Kranken kann es den Alltag bewältigen helfen, ein von fremder Hilfe unabhängiges Leben möglich machen. Einkäufe, Reisebuchungen, Behördengänge und Kontakte sind für sie durch die Erfindung World Wide Web einfacher oder überhaupt erst möglich geworden. Hier liegt das eigentliche Potential des Mediums.

Die Gefahren des Netzes andeutend, sagte Bergmann, sie habe die Links der Datenbank bereits ausgiebig getestet. "Da muss man ja jetzt vorsichtig sein", so Bergmann. Sie war jüngst in den Schlagzeilen, weil von der Ministeriums-Website auf indirektem Wege eine Verlinkungskette zu Callboy-Seiten führte.Der Senioren-Infopool im Internet: www.senioren-initiativen.de

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