Zeitung Heute : Audi: Offen in den nächsten Sommer

Ingo Dahlern

Wer einen offenen Audi fahren möchte, kann das in diesem Jahr nur in einem Zweisitzer - dem Audi TT Roadster. Denn das bewährte viersitzige Cabrio - seit 1991 in immerhin 72000 Exemplaren auf die Straßen gelangt - ist in diesem Sommer nicht mehr verfügbar. Doch die Lücke wird schon bald geschlossen. Denn im nächsten Frühjahr geht eine neue Generation des offenen Audi an den Start. Und wie sie aussieht, das kann man schon Mitte nächsten Monats bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main erleben, wo die neue Cabrio-Generation zu den Attraktionen der Audi-Präsentation gehört. Und wenn sie dort offiziell auch nur als Showcar auftritt - also noch nicht in der endgültigen Serienversion - so dürfte sich bis auf wenige kleine Details bis zum nächsten Frühjahr nicht mehr viel ändern, denn das Auto ist praktisch fertig.

Und damit steht fest, dass Audi seiner seit knapp einem Jahrzehnt verfolgten Linie treu bleibt. Auch das neue Cabrio zeigt die bewährte zurückhaltende und schörkellos-elegante Silhouette. Die flache Frontpartie gibt sich allerdings ein wenig rundlicher und zeigt den Audi-Doppelgrill, bei dem der Akzent klar auf dem oberen Element liegt. Vorn gibt es nun Scheinwerfer mit moderner Lichttechnik und Klarglas-Optik, und an den neu gestalteten Heckleuchten erkennt man ebenso wie an der gesamte Linie mit den rund ausgeschnittenen Radhäusern, dass das neue Cabrio vom Audi A4 abgeleitet ist. Dennoch hat es mit seiner mit Aluminium gefassten Frontscheibe und den Aluleisten entlang der Gürtellinie seinen ganz individuellen Auftritt. Zu dem gehört auch das kraftvolle nur leicht keilförmige Heck mit den herausgearbeiteten Auspuff-Endrohren, bei dem ebenfalls runde Formen vorherrschen.

Wie der Vorgänger, so ist auch das künftige Cabrio wieder ein Vollcabriolet ohne Überrollbügel - allerdings nicht ohne den für solche Autos nötigen aktiven Überrollschutz. Denn im Falle eines Falles werden binnen Millisekunden zwei stabile Schutzbügel hinter den Fondsitzen ausgelöst. Sie helfen zusammen mit dem sehr steifen Frontscheiben-Rahmen, den für die Insassen des Cabrios nötigen Überlebensraum zu bewahren. Weitere Schutzelemente sind Gurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sowie Fullsize-Frontairbags und Seitenairbags für die Vordersitze, die Kopf und Brustkorb schützen. Hinzu kommt die besonders stabile und vor allem verwindungssteife Karosserie, deren Werte um 112 Prozent besser wurden. Das verbessert auch die Fahrdynamik dieses Autos, das als Serienausstattung auch über die Fahrdynamikregelung ESP verfügt.

Sowohl offen als auch geschlossen macht das neue Cario eine gute Figur. Seine Dachkonstruktion wurde zusammen mit den Osnabrücker Cabrio-Spezialisten von Karmann entwickelt, die dieses Auto auch bauen. Ergebnis ihrer Bemühungen ist ein sich auf Knopfdruck binnen einer halben Minute vollautomatisch öffnendes und schließendes Stoffdach, dessen Heckscheibe nun aus Glas besteht und beheizbar ist. Das verbessert die Winterqualitäten dieses Autos ebenso wie das noch besser isolierte dreilagige Dach selbst, das auch akustisch optimiert wurde. Das bedeutet weniger Windgeräusche, die beim Vorgänger bei flotter Fahrt doch recht störend waren.

Da die gesamte Dachkonstruktion sehr viel kompakter wurde, bietet der offene Audi künftig mehr Kofferraum. Der wuchs bei offenem Auto auf 246 Liter und misst bei geschlossenem Verdeck nun sogar 315 Liter, und dank einer Durchladeöffnung lassen sich zum Beispiel sogar Snowboards transportieren.

4,57 Meter in der Länge und 1,77 Meter in der Breite misst das neue Cabrio, dessen Radstand identisch mit dem der A4-Limousine ist. Für die vier Passagiere bedeutet das ein wenig mehr Platz als bisher insbesondere im Fond, dessen Sitze einen ausgeprägten Einzelsitz-Charakter haben und wo sowohl der Knieraum als auch die Schulterfreiheit gewachsen sind.

Mit zwei Triebwerken wird das neue Cabrio Anfang 2002 an den Start gehen. Beides sind leistungsstarke V6-Triebwerke, die für einen angemessenenen Antrieb des sportlich ausgelegten offenen A4 sorgen. Spitzentriebwerk ist dabei der neue 162 kW (220 PS) leistende Dreiliter aus Aluminium mit seiner kontinuierlichen Nockenwellenverstellung, dessen höchstes Drehmoment bei

300 Nm liegt. Doch auch mit dem zweiten V6, dem auf 125 kW (170 PS) erstarkten 2,4-Liter, der ein höchstes Drehmoment von 230 Nm liefert, ist der offene Audi anspruchsvoll motorisiert. Denn beide Triebwerke sorgen für kraftvollen Anzug aus niedrigen Drehzahlen heraus und zeigen große Elastitizität, so dass beim Tritt aufs Gaspedal jederzeit ausreichend Kraft für eine schnelle Reaktion des Motors verfügbar ist. Zugleich überzeugen beide Triebwerke durch ausgeprägte Laufruhe und einen eigens für sie komponierten sportlichen Auspuff-Sound.

Eine ganz neue Dimension des Fahrens eröffnet beim Cabrio die erstmals eingesetzte Multitronic - das von Audi entwickelte revolutionäre stufenlose Automatik-Getriebe, das seine Arbeit so überzeugend verrichtet, dass nur wenige Fahrzeuglenker überhaupt merken, dass sie keine klassische Automatik mit Wandler haben. Und wenn er auch beim Start noch nicht verfügbar ist - auch ein kraftvoller direkt einspritzender Diesel mit moderner Hochdruck-Einspritzung und sportlichen Fahrleistungen dürfte künftig im offenen Audi angeboten werden. Damit wäre der neben dem Golf Cabrio mit Selbstzünder und dem kleinen Smart CDI ein weiteres Open-Air-Auto mit dieser Antriebstechnik, die auch schon im Vorgänger verfügbar war - allerdings ihrer Zeit wohl ein wenig weit voraus, denn ein überzeugender Erfolg blieb ihr versagt. Und schließlich dürfte es den offenen Audi in absehbarer Zukunft nicht nur als Fronttriebler, sondern auch in einer Quattro-Version geben.

Bei seiner Fahrwerktechnik stützt sich das neue Cabrio auf die bereits bei der Limousine bewährte Konstruktion aus Aluminium mit Vierlenker-Vorderachse und Trapezlenker-Hinterachse, die für optimale Lenkpräzision und hohe Fahrsicherheit garantiert. Für den offenen Audi hat man dieses Fahrwerk noch sportlicher abgestimmt und das Auto zugleich ein wenig tiefer gelegt. Das bedeutet noch mehr Fahrdynamik für das neue Cabrio, das auch im Interieur sehr sportlich und gleichzeitig mit hoher Material- und Verarbeitungsqualität auftritt. Das sportliche Cockpit ist kombiniert mit einer markanten Mittelkonsole und zahlreiche Zierelemente aus Aluminium unterstreichen den besonderen Auftritt des neuen Cabrios, das auch bei seiner Serienausstattung kaum einen Wunsch offen lässt. Das allerdings lässt man sich in Ingolstadt auch angemessen bezahlen. Zwar nennt Audi bislang noch keine Preise, doch die Einstiegspreise für den offenen Viersitzer dürften bei rund 70000 DM liegen und damit auf dem Niveau des offenen Münchener Kon-

kurrenten.

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