Audiotour Nummer 1 : Krimis im Museum

Vom Hauptmann von Köpenick bis zum Coup der Tunnelgangster von Schlachtensee 1995: Das Kriminalmuseum im Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke dokumentiert Ermittlungsfälle aus gut 100 Jahren.

Christoph Stollowsky
Panzerknacker
Panzerknacker am Werk. Hier im Kriminalmuseum nur als Puppen. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Er war ein Meister des Verhörs und genialer Kriminalist. Er begründete die Berliner Mordkommission und klärte von 1918 bis 1939 insgesamt 298 Morde auf. Außerdem war Ernst Gennat noch aus anderen Gründen populär: Der Mann mit der größten Leibesfülle im damaligen Polizeipräsidium am Alexanderplatz vertilgte Unmengen von Kuchen. Etliche Bücher sind über den Leiter der ersten Berliner Mordkommission erschienen. Und im heutigen Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke hat man ihm sogar ein kleines Denkmal gesetzt: Dort stellt ihn Berlins einziges Kriminalmuseum ausführlich vor. In einer Reihe mit anderen verdienten Kripoexperten und deren Klientel: Betrüger, Geldschrankknacker & Co.

Offiziell heißt das Museum im Souterrain des Präsidiums „Polizeihistorische Sammlung Berlin“. Dokumentiert werden dort Ermittlungsfälle aus gut 100 Jahren – vom Hauptmann von Köpenick über den Frauenmörder Carl Großmann und die Einbrecherkönige Franz und Erich Sass in den Zwanzigern bis zum Coup der Tunnelgangster von Schlachtensee 1995. Sogar ein Stück des heimlich gebauten Tunnels ist zu sehen, durch den die Bande in die Commerzbank eindrang. Und vom Erpresser Dagobert, der die Kripo 1988 bis 1994 narrte, ist einer seiner selbst gebauten Schienenfahrzeuge ausgestellt.

Drumherum erläutert das Museum die Entwicklung der Polizei seit 1800. Und man lernt die Arbeit der Kriminalisten kennen. Wie sichern sie Spuren? Wie werden Phantombilder angefertigt? Wie funktioniert die DNA-Analyse? Ein Spruch des Mordermittlers Ernst Gennat gilt aber trotz aller Technik in seiner Branche bis heute: „Unsere Waffen sind Gehirn und Nerven.“ Christoph Stollowsky

Für Tagesspiegel-Leser auf Audio- Tour hat das Museum an den kommenden Sonntagen, 5. und 12. Juli, Sonderöffnungszeiten – jeweils von 14-18 Uhr. Als Ansprechpartner ist dann auch der frühere Polizeipräsident Georg Schertz anwesend. Ansonsten ist die Sammlung nur Montag bis Mittwoch, 9-15 Uhr, geöffnet.


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