Zeitung Heute : Auf 84 Etagen zu Hause

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Hohenschönhausen. Es ist schon gewöhnungsbedürftig, sagt Harald Falk, wenn einem plötzlich wildfremde Menschen die Hand schütteln. Wenn sie auf die Schulter klopfen oder rufen „Mach weiter so“. In solchen Momenten fühlt sich der 43-Jährige etwas unbeholfen. So in der Öffentlichkeit zu stehen, ist ihm unangenehm. „Das muss ich erst noch lernen“, sagt er. Den freundlichen Mann in der blauen Hausmeisterkluft kennt im Kiez zwischen Zingster- und Barther Straße inzwischen fast jeder. Auch viele, für die er eigentlich nicht verantwortlich ist. Doch es hat sich herumgesprochen, dass Harald Falk vor wenigen Tagen zum zweitbesten Hausmeister Deutschlands gekürt wurde. Der sportliche Mann konnte sich zuvor bei einer Umfrage der Wohnungsbaugesellschaft Hohenschönhausen gegen seine 114 Kollegen durchsetzen.

Bewertet wurden unter anderem Einsatzbereitschaft, Qualifikation und Akzeptanz. Falk erhielt überall die besten Noten. Die deutschlandweite Konkurrenz seiner Zunft stach er fast aus: Bis auf Jürgen Kurzmann aus Neubrandenburg. Der war nach Aktenlage noch besser als sein Berliner Konkurrent. Jedenfalls machte die Jury der Fachzeitschrift „Die Wohnungswirtschaft“ Harald Falk zum Vize-König der Hausmeister und schenkte ihm eine Reise nach Mallorca. Für die fast 1000 Mieter, die in den sechs von Falk betreuten Häusern wohnen, ist der „Steward im Blaumann“ trotzdem die Nummer Eins. „Er ist immer freundlich und ist bemüht die Probleme schnell zu lösen“, lobt eine ältere Dame ihren Hausmeister. Ob tropfende Wasserhähne, verstopfte Rohre oder klemmende Fenster - Falk versucht sofort zu helfen. „Ich schiebe nichts auf die lange Bank, ich kann eben nicht Nein sagen“, erzählt er. Und so repariert er unbürokratisch Steckdosen oder Lichtschalter selbst.

Die ihm zu seinem Titel verholfen haben finden es gut, dass er sich Zeit nimmt, auch wenn er es eilig hat. „Aber eigentlich sorgen wir uns alle recht gut ums Wohl der Mieter“, fügt er bescheiden hinzu. Obwohl schon öfter seine eigene Familie wegen Mieterproblemen zu kurz kam, könnte er sich „keinen besseren Job vorstellen“. Man sei Klempner, Tischler und Sozialarbeiter zugleich. 84 Etagen hat der Hausmeister insgesamt zu betreuen. Die erklimmt er zu Fuß, ohne Lift. Bundesweit sind übrigens mehr als 90000 Hausmeister und Hausmeisterinnen im Einsatz. An dem Wettbewerb beteiligten sich 17 Unternehmen. Steffi Bey

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