Zeitung Heute : Auf Besserung warten

Cordula Eubel

Gesundheitsministerin Schmidt beklagt die oft wochenlangen Wartezeiten von Kassenpatienten bei Fachärzten. Was könnte gegen eine Benachteiligung von gesetzlich Versicherten getan werden?


Dass Kassenpatienten manchmal wochenlang auf einen Termin beim Facharzt warten müssen, ist für Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ein „unhaltbarer Zustand“. Das müsse sich ändern, denn an Fachärzten fehle es in Deutschland nicht, mahnt die SPD-Politikerin. Privat Versicherte erhielten schließlich oft umgehend Termine. Es seien aber die gesetzlich Versicherten, die den Ärzten ihre Einnahmen sicherten. Die klare Botschaft der Ministerin: „Zwei-Klassen-Medizin“ dürfe es nicht geben.

Wie lange Patienten in Deutschland auf einen Arzttermin warten müssen, darüber gibt es keine zuverlässigen Statistiken. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bestreitet, dass viele Versicherte lange ausharren müssen. Das belege eine aktuelle Umfrage im Auftrag der KBV, bei der die Forschungsgruppe Wahlen 4315 Patienten befragt hatte. Danach gaben vier von zehn Befragten (41 Prozent) an, dass sie beim Facharzt sofort einen Termin bekommen. Nur sieben Prozent mussten mehr als drei Wochen auf einen Termin warten. Beim Hausarzt mussten laut der Umfrage weniger Patienten warten als beim Facharzt. Knapp die Hälfte aller Befragten (48 Prozent) gab an, überhaupt nicht warten zu müssen. Nur ein Prozent musste sich länger als drei Wochen gedulden. In den Praxen müssen die Patienten allerdings fast immer warten: 30 Prozent bis zu 15 Minuten, 31 Prozent bis zu 30 Minuten und 29 Prozent sogar noch länger.

Zu einem relativ positiven Urteil über Wartezeiten in Deutschland kommt das Fritz-Beske-Institut für Gesundheitssystemforschung in Kiel. Allerdings geht es in der Studie, die im August 2005 erschienen ist, vor allem darum, ob Patienten lange auf einen Operationstermin im Krankenhaus warten müssen. In einem internationalen Vergleich von Gesundheitssystemen in Industrienationen kommen die Wissenschaftler des Beske-Instituts dabei zum Ergebnis, dass die „Wartezeiten auf Leistungen im Gesundheitswesen in Deutschland weltweit am geringsten sind“.

Was aber kann ein Patient tun, wenn er von der Sprechstundenhilfe vertröstet wird? Wer lange warten muss, dem empfiehlt das Gesundheitsministerium, sich an seine Krankenkasse zu wenden. „Manchmal hilft es schon, wenn die Kasse bei dem Arzt anruft“, sagt ein Sprecher. Außerdem könne die Kasse sich an die jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) wenden. Die wiederum können grundsätzlich gegen Verstöße ihrer Vertragsärzte vorgehen. Im Extremfall kann die KV einem Arzt, der sich wiederholt nicht an bestimmte Regeln hält, sogar die Zulassung entziehen.

Gesundheitsministerin Schmidt sieht die gesetzlichen Krankenkassen stärker in der Pflicht, sich für ihre Versicherten einzusetzen. Sie verweist auf die Verträge zwischen Kassen und Ärzteverbänden, in denen die Behandlung der Patienten geregelt sei. Die Versicherungen müssten dafür sorgen, dass diese Verträge auch eingehalten werden. „Ich wünschte mir, dass dabei die Krankenkassen an der Seite der Patientinnen und Patienten stünden“, sagte Schmidt. Denn schließlich seien sie dafür da, eine gute Versorgung für ihre Mitglieder zu organisieren und diese nicht „bei Ärztestreiks, Wartelisten und immer mehr privat abgerechneten Leistungen im Regen stehen zu lassen“.

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