Zeitung Heute : Auf dem grünen Teppich

Ökologisch korrekt und dennoch stilvoll: Modedesign-Studenten der UdK Berlin entwerfen nachhaltige Abendgarderobe

Sabrina Waffenschmidt

Bio erobert die Welt und das Wort Nachhaltigkeit ist in aller Munde. In der Mode allerdings ist Ökologie noch immer ein Nischenthema und scheint unvereinbar mit der Vorstellung von Eleganz und Stil. „Wir assoziieren Ökologie in der Mode noch immer mit Dingen, von denen sich die meisten abgrenzen wollen“, erklärt Prof. Valeska Schmidt-Thomsen. „Doch nachhaltige Mode ist schon lange nicht mehr das Hanfkleid in ergonomischer Sack-Form.“

Valeska Schmidt-Thomsen ist Modedesign-Professorin am Institut für experimentelles Bekleidungs- und Textildesign der UdK Berlin. Gemeinsam mit 16 Studierenden will sie zeigen, dass Stil und Nachhaltigkeit eben doch zusammen passen. Im Projekt Green Carpet entwerfen die Studierenden deshalb ökologische Abendgarderobe für den Roten Teppich. „Viele Prominente kämpfen für Nachhaltigkeit, fahren Hybrid-Autos oder produzieren eigene Ökolabels. Mit ihrer Kleidung auf den Roten Teppichen zeigen sie diesen Lebensstil nur selten, obwohl gerade sie solche Ideen popularisieren können“, begründet Schmidt-Thomsen die Wahl von Abendgarderobe.

Das Interesse der Studierenden an diesem Thema ist offenbar groß, die Entwurfskonzepte sind völlig unterschiedlich. Corinna Dehn etwa hat sich zur Aufgabe gemacht ihr Kleid ganz ohne den Verbrauch von Energie zu produzieren. Das bedeutet unter anderem mit der Hand nähen und nicht eben mal drüber bügeln können. Ihre Kommilitonin Marlitt Riemenschneider arbeitet an einem schwarzen Korsagenkleid mit nach unten heller werdender Schleppe. Der Clou dabei ist, dass sie ausschließlich mit Stoffresten arbeitet. „Man muss den Entwurf immer wieder ändern, weil man mit Kleinigkeiten schnell an Grenzen kommt“, stellt sie fest. Für sie alle ist es ein Selbstversuch im Umgang mit Ressourcen.

Ulf Brauner kritisiert mit seinem Kleid den intensiven Baumwollanbau in der Region um den Aralsee zwischen Kasachstan und Usbekistan und damit die eigene Branche. Das ehemals viertgrößte Binnengewässer der Erde ist als Folge der Bewässerung für den Baumwollanbau auf 20 Prozent seiner Ursprungsgröße geschrumpft. „Baumwolle ist die durstigste kultivierte Pflanze der Welt", erklärt Brauner. Die Form seines Kleides orientiert sich am Jedge, einem traditionellen Bekleidungsstück des besonders betroffenen Volkes der Karakalpaken. Der Jedge ist eine Art einfacher Mantel, der von den Frauen auf dem Kopf getragen wird, um das Gesicht vor Männerblicken zu schützen. Die noch vorhandenen Ärmel hängen unbenutzt am Rücken herunter. Gestaltungselement der Robe ist der durch die Austrocknung stufenweise veränderte Grundriss des Aralsees. Baumwolle ist in Brauners Entwurf natürlich tabu.

In einem sind sich Studierende und Professorin einig: Bio-Mode kommt nicht morgen in die Läden, aber Chancen zur Durchsetzung sind auf jeden Fall da.

Während des Rundgangs sind die Arbeiten des Studiengangs Mode im 3D-Haus in der Straße des 17. Juni 118 zu sehen.

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