Zeitung Heute : Auf dem letzten Weg

Andrea Nüsse

Die Beratungen über die Begräbnisstätte haben lange Zeit gedauert. Was wäre an politischer Bewegung erkennbar, wenn Arafat in Ramallah bestattet wird?

Nun wird es wohl auf Ramallah hinauslaufen. In seinem Amtssitz, der von der israelischen Armee fast völlig zerstörten Mukata, soll Arafat nach seinem Tode wahrscheinlich begraben werden. Dort, wo er mehr als zwei Jahre lang unter primitiven Umständen ausgeharrt hat, nachdem Israel den Palästinenserführer mit Hausarrest belegte. Daher hat der Ort symbolischen Wert für die Palästinenser – Arafat ist geblieben und hat nicht aufgegeben. Dennoch ist Ramallah nur zweite Wahl. Sie wollten ihren Anführer an historischem Ort beerdigen: In Ostjerusalem, das eines Tages die Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaates werden soll, auf dem Gelände der Al-Aksa-Moschee, dem drittwichtigsten Heiligtum der Muslime.

Doch den Traum, die Kontrolle über Ostjerusalem wiederzuerlangen, müssen die Palästinenser wohl weiterträumen. Die israelische Regierung hat den palästinensischen Aspirationen einen Dämpfer verpaßt, indem sie ein Begräbnis des Palästinenserführers in Jerusalem kategorisch ausschloß. Israel betrachtet Jerusalem als unteilbare und ewige Hauptstadt und hat dies mit der Weigerung unterstrichen.

Ramallah ist in palästinensischen Augen immer noch besser als Gaza. Der Landstreifen am Mittelmeer ist ein verarmtes und abgeriegeltes Freiluftgefängnis mit einer der höchsten Bevölkerungsdichten der Welt. Viele Israelis würden einen Palästinenserstaat gern auf den Landstrich beschränken. Ein Begräbnis in Gaza wäre damit ein Eingeständnis, dass der Palästinenserstaat nie größer als dieser Landstrich wird. Es wäre daher die schlechteste Lösung für die Palästinenser. Ramallah ist nicht zuletzt wegen seiner Nähe zu Jerusalem besser: Auch wenn Jerusalem für die meisten Palästinenser außer Reichweite liegt, weil sie die Stadt nicht betreten dürfen, beträgt die Entfernung doch nur zehn Kilometer. Deshalb ist ihnen auch Ramallah nur eine provisorische Begräbnisstätte: Eines Tages – so hoffen die Palästinenser – könnten Arafats Überreste nach Ostjerusalem überführt werden.

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