Zeitung Heute : Auf dem Weg nach oben

Die studentischen Unternehmensberater haben eine Top-Position: Sie arbeiten im „Tower der TU“.

Andrea Puppe
Stufe um Stufe. Die Studenten trainieren für künftige Jobs. Foto: TU Presse/Dahl
Stufe um Stufe. Die Studenten trainieren für künftige Jobs. Foto: TU Presse/Dahl

Auf einer steilen Wendeltreppe geht es nach oben. Im Turm des Erweiterungsbaus neben dem Hauptgebäude der TU Berlin herrscht konzentrierte Ruhe. An den Tischen sind vier Studierende an ihren Laptops beschäftigt. Nachmittags. Bei schönstem Wetter. Mitten in den Ferien. Christiane Schiller, Qiucheng Xu, Lennart Säger und Nikolai Jowtschew sind Mitglieder des Company Consulting Teams (CCT), der studentischen Unternehmensberatung an der TU Berlin.

Der angehende Wirtschaftsingenieur Nikolai Jowtschew hat über einen Bekannten von dem bereits 1993 gegründeten Verein gehört. „Vor und während des Studiums hatte ich kaum praktische Erfahrungen oder Kontakte zur Wirtschaft“, berichtet er. Das habe sich geändert, seit er sich beim CCT engagiert. Im Verein ist er seit Neuem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, außerdem kann er als Mitglied einer Projektteam-GbR, die vom Verein ausgegründet werden, erste Erfahrungen als Unternehmensberater sammeln.

Bei den Aufträgen, die die studentischen Berater bearbeiten, ist oft strategisches Marketing gefragt. Qiucheng Xu kümmerte sich zuletzt um eine Erfindung des Heinrich-Hertz-Instituts. „Es ging darum, den bestehenden Markt für diese Erfindung zu analysieren und Handlungsempfehlungen für eine Ausgründung zu entwickeln“, sagt er. Und auch eine Berliner Apotheken-Interessensgemeinschaft wandte sich schon an die Nachwuchs-Consulter. „Die Gemeinschaft wollte sich mit Werbekampagnen gegen die Discounter-Konkurrenz abgrenzen. Wir prüften, wie sie sich nach außen hin positionierte“, erzählt Lennart Säger. Mit einer breit angelegten Umfrage unter den Kunden verifizierte das CCT-Projektteam den Erfolg der Kampagne und erarbeitete Verbesserungsvorschläge. Bekanntestes Beispiel für ein erfolgreiches Projekt des im Bundesverband studentischer Unternehmensberatungen organisierten CCTs ist wohl die Entwicklung und Betreuung des Internet-Portals „MeinProf.de“.

„Der Verein vermittelt den ausgegründeten Projektteams die Anfragen der Interessenten“, erläutert die für ein Jahr gewählte Vorstandschefin Christiane Schiller. „Dafür erhebt er eine Vermittlungsgebühr.“ Das übrige Honorar teilen die Projektteam-Mitarbeiter nach Abzug aller Kosten unter sich auf. Leben kann kein CCT-Berater von diesen Einkünften. Der Erfolg beruht auch auf den im Vergleich zu konventionellen Unternehmensberatungen günstigen Konditionen. „Neue Kunden gewinnen wir häufig, weil wir weiter empfohlen werden“, sagt Schiller.

Zweimal im Jahr veranstaltet das CCT Info-Workshops für neue Mitglieder. Berliner Studierende aller Fachrichtungen, die die 70 CCT-Mitglieder von sich und ihrer Motivation überzeugen können, sind zunächst als Interessent, dann als Anwärter und schließlich als Mitglied willkommen. Interne Schulungen, Feedbackrunden, der Kontakt zu älteren Studierenden und vor allem die Möglichkeit, bereits während des Studiums Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen zu können, sind die Pluspunkte des Vereins.

Durchschnittlich zehn Stunden Arbeit pro Woche, schätzt Nikolai Jowtschew, investiert er neben dem Studium in den Verein. Lennart Säger, der kurz vor seinem Bachelor-Abschluss als Wirtschaftsingenieur steht, hat sich auch durch die Mitarbeit beim CCT für eine veränderte Studienausrichtung entschieden. Er liebäugelt nun mit dem Masterstudiengang „Innovation Management and Entrepreneurship“ an der TU Berlin. Christiane Schiller hat von Psychologie zu Elektrotechnik gewechselt und schätzt die Tipps ihrer Vereinskommilitonen aus höheren Semestern. Und eins ist sicher, betonen sie alle: Bei allem Engagement kommt der Spaß nicht zu kurz. Auch wenn die Ausflüge der CCT-ler nicht Week- sondern Workends heißen. Andrea Puppe

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