Zeitung Heute : Auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas

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Das Ruhrgebiet als Modellfall für eine Kulturhauptstadt neuen Typs / Erfolgreiche PublicPrivate Partnership

Zum ersten Mal bewirbt sich mit dem Ruhrgebiet eine Stadtregion mit mehr als fünf Millionen Einwohnern um den Titel „Kulturhauptstadt Europas“. Essen ist der „Bannerträger“ der Bewerbung für das Jahr 2010. Das Revier versteht sich als Modellfall für eine Kulturhauptstadt neuen Typs, die europaweit Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Die unverwechselbare Kulturlandschaft, die einzigartigen industriekulturellen Orte und das Zukunftspotenzial als Städtelandschaft wurden als regionale Stärken in die Bewerbung eingebracht.

Arbeiten in Bochum, Leben in Essen, ins Theater in Oberhausen, zum Konzert in Dortmund – die mehr als fünf Millionen Einwohner nutzen das gesamte Ruhrgebiet. Sie setzen ihr Revier täglich als eine Stadt zusammen und entdecken seine Vielseitigkeit immer wieder neu. Damit unterscheidet sich das Ruhrgebiet von traditionell gewachsenen Städten. Die Region ist vielmehr ein dezentraler urbaner Großraum, der ständig in Bewegung bleibt - mit zahlreichen Zentren und Peripherien.

Der Ursprung der engen Verbundenheit im Ruhrgebiet liegt in der gemeinsamen industriellen Vergangenheit. In nur 150 Jahren ist der Bereich zwischen Ruhr, Emscher und Lippe zu einem riesigen Industrieareal zusammengewachsen. Die Schwerindustrie hat die Region stark geformt. Noch heute prägt sie ihr Gesicht – als kulturelles Erbe, das dem Ruhrgebiet seinen besonderen Reiz verleiht.

In der Montanindustrie liegen auch die Wurzeln der heutigen multikulturellen Identität des Reviers. Arbeitsmigranten aus allen europäischen Ländern haben sich hier angesiedelt und das Ruhrgebiet zu einem Europa im Kleinen gemacht, das seine Internationalität pflegt. Viele Zuzügler brachten ihre Familien mit und blieben dauerhaft. Mit ihren Gebräuchen, fremden Sprachen, ihrer Küche und Lebensart veränderten sie die Region und gaben ihr ein neues Gesicht. Offenheit, Toleranz und eine Mentalität, die es entspannt zulässt, auch scheinbar Unvereinbares zu verbinden, sind das Ergebnis dieses Erfahrungsprozesses der vergangenen 150 Jahre. Es gibt kaum eine Region, in der Besucher ein so dichtes Veranstaltungsprogramm erleben können wie im Ruhrgebiet. Die heutige Vielfalt an Kulturinstituten ist das Ergebnis einer rasanten Entwicklung. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Region eine kulturelle Ödnis. Erst 1892 wurde mit dem Essener Grillo Theater das erste Stadttheater gegründet, und 1902 eröffnete mit dem Hagener Folkwangmuseum das erste Kunstmuseum.

In nur drei Generationen sind zahlreiche Theater, Museen und Konzerthäuser entstanden. Mit jährlichen Veranstaltungen wie der RuhrTriennale, den Ruhrfestspielen Recklinghausen, den Oberhausener Kurzfilmtagen oder dem Jazzfestival Moers bietet die Region eine weltweit beachtete Festivalkultur. Die außergewöhnlichen Veranstaltungsräume der alten Industrieanlagen haben namhafte Künstler wie Christo inspiriert.

Die Finanzierung und Organisation der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2010 wird von den Städten und von Unternehmen gemeinschaftlich getragen. Von Beginn an wurde das Verfahren als Public-Private-Partnership (PPP) geführt. Die enge Zusammenarbeit der Bewerberstadt Essen, der Region und der Ruhrwirtschaft hat sich als Erfolgsgeschichte erwiesen und wird mit Blick auf die Herausforderungen des Jahres 2010 fortgesetzt. Auch das Budget der Kulturhauptstadt 2010 im Ruhrgebiet wird als innovatives PPP-Modell gemeinsam mit der regionalen Wirtschaft entwickelt und als Gemeinschaftsaufgabe getragen.

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