Zeitung Heute : Auf den Spuren der Großeltern

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Sie kommen aus der ganzen Welt, halten ihre Fähnchen in den Wind und klopfen sich stolz aufs Landeswappen. Hier stellen wir Fußballpilger vor, die loszogen, um nah dran zu sein.

Komplett in ukrainischer Montur schlendert eine Gruppe die Fressmeile am Holocaust-Denkmal entlang. So richtig ukrainisch schauen sie jedoch nicht aus. Auch ihr Akzent klingt ziemlich britisch. Die Erklärung: Peter, Christina und Ehwin kommen aus Bradford auf der britischen Insel. Ihr Freund John ist sogar aus den USA nach Deutschland angereist. „Wir haben ukrainische Großeltern“, entwirrt Ehwin die Situation. Als Beweis gibt es für die letzten Zweifler noch eine kleine Kostprobe auf Ukrainisch dazu. „Unsere Großeltern waren deutsche Kriegsgefangene und sind dann nach England ausgewandert“, ergänzt Christina. „Deshalb war mir auch ein wenig mulmig davor, hierher zu fahren“, gibt Peter zu Protokoll. Doch die Stimmung in Deutschland hat alle Bedenken der vier Freunde zerstreut. Besonders gefallen haben Peter die Fanfeste in den WM-Städten. „Wir werden zwar oft für Schweden gehalten, aber das macht nichts. Die Leute werden dann halt aufgeklärt“, berichtet er von zahlreichen Verwechslungen der letzten Wochen. Bisher sind die vier quer durch Deutschland der ukrainischen Mannschaft hinterher gereist. Nach dem Spiel gegen die starken Spanier war die Stimmung in der Gruppe ziemlich am Boden. „Wir haben gedacht, die ganze WM wird für uns richtig peinlich“, berichtet Peter vom Debakel zu Beginn des Turniers. Doch die Freunde sind nach den Auftritten gegen Saudi-Arabien und Tunesien wieder versöhnt und planen für den Fall, dass die nächste Runde erreicht wird, noch ein wenig weiter. „Das Viertelfinale ist realistisch“, analysiert Christina und erntet lauten Beifall von ihren drei Begleitern. „Wir brauchen jetzt nur noch Karten für Köln. Hast du welche?“

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