Zeitung Heute : Auf den Spuren des Großwildjägers Hemingway in Kenia

Norbert Kandel

Die Safari-Touristen drängen sich auf der kleinen Terrasse des Aussichtsturms. Das Rondell mit schilfbedecktem Dach heißt "Hemingway-Bar". Aus dem Busch zirpen und schnarren Grillenchoräle, in der Ferne heult hin und wieder eine Hyäne. Mückenschwärme tanzen im hellgelben Licht der wenigen Leuchten. Es ist zehn Uhr abends. Auf der Buffalo-Lodge am Rande des Amboseli-Naturparks beginnt die große Fütterung. Die Atmosphäre ist gespannt, und die Menschen flüstern, um das Wild nicht abzuschrecken. Doch die Tiere lassen sich nicht blicken. Drei Burschen waren den Hang hinabgestiegen und hatten etwa achtzig Meter weiter blutige Fleischreste in einer Art Futterkrippe auf einer kleinen Ebene deponiert, die von zwei grellen Scheinwerfern ausgestrahlt wird. Das weitläufige Astwerk einer am Rand stehenden Akazie beschirmt die Fläche und gibt der Szene den letzten romantischen Strich. Aber nur die drei Katzen der Lodge streichen durch das Gras.

Endlich huscht ein hellgrauer Schatten über das Panorama. Eine Hyäne. Dann folgen noch weitere zwei Aasfresser in ihrem gebückten Gang, reißen einige Fleischbrocken aus dem Angebot und verschwinden wieder in der Finsternis. "Action!" hatte jemand gerufen, die Pockets blitzen, die Camcorder surren und die Spiegelreflexkameras klicken.

Joseph, der schwarze Kellner in dunkelblauer Uniform, bringt uns einen Whisky. Er antwortet in gebrochenem Englisch: "Klar war er hier. Er hat `ne Menge Whisky getrunken." Stolz zeigt er die Marke und hebt die Flasche: "Teacher`s Highland Cream", ein Scotch. Es stellt sich heraus, daß Joseph nicht lesen kann. Und die Buffalo-Lodge mit den fünfzig Rundhütten und, bei wohlmeinendem Wetter, dem Ausblick auf das imposante Kilimandscharo-Massiv, ist erst 1978 gebaut und 1982 eröffnet worden. Da war der Dichter, der sich am 2. Juli 1964 um sieben Uhr früh mit einer doppelläufigen, großkalibrigen Schrotflinte in Havanna die Schädeldecke wegsprengte, schon lange tot.

Das war die erste Begegnung mit der nachstrahlenden Aura von "Papa", wie sich Ernest Hemingway seit 1940 nennen ließ. Mit dem Namen des Großwildjägers wird in ganz Kenia geworben. Die Diktatur des Präsidenten Daniel arap Moi, die bis zu den Unruhen im Sommer 1997 als das beliebteste Reiseziel der Deutschen galt und heute stärker als je zuvor an Armut, Korruption und Naturkatastrophen leidet, hat enorme Buchungsverluste hinnehmen müssen. Hotels schlossen komplett ihre Pforten und entließen ihre Angestellten. Schlagzeilen über Überfälle, Malaria und Cholera zementierten den schlechten Ruf. Heute landen nur noch fünf Ferienflieger pro Woche in Mombasa, früher waren es dreißig.

Hemingway startete seine Safaris alle in Kenia und hat in Nairobi, in Mombasa, im Tvaso-Nationalpark, im Amboseli-Hochland und an der Küste seine Spuren hinterlassen. Dreimal reist der 1899 in Oak Park bei Chicago geborene Hemingway nach Afrika. Im November 1933, schon als bekannter Schriftsteller, trifft er das erste Mal ein. Vier Monate wird er bleiben. Die Safari kostet damals für zwei Personen 20 000 Dollar, die der reiche Onkel seiner Frau Pauline finanziert. In Nairobi lernt Hemingway den Safari-Führer Philip Percival kennen, dessen Geschichten er später in seinen Erzählungen verwertet und der ihn auf seine Farm in den Mua-Bergen bei Machakos einlädt.

Fünf Tage vor Weihnachten bricht der Troß auf und erreicht den Serenea-Fluß jenseits der einsamen und verlassenen Serengeti-Ebene. In nur zwei Wochen erlegt die Jagdtruppe vier Löwen, zwei Leoparden, 35 Hyänen, einen Geparden und etliche Antilopen, Wasserböcke und Gazellen. Doch im Busch bei Arusha erkrankt der Dichter an einer Amöbenruhr und muß lange auf den Doppeldecker warten, der ihn am 16. Januar 1934 nach Nairobi bringen wird. Während des Fluges erblickt er das erste Mal den weiß leuchtenden Gipfelkranz des Kilimandscharo, der ihn zu seiner vielleicht berühmtesten Erzählung inspiriert: ". . . so weit er sehen konnte, so weit wie die ganze Welt, groß, hoch und unvorstellbar weiß in der Sonne war der flache Gipfel des Kilimandscharo."

Percival hatte am Lagerfeuer von einem Jagdunfall erzählt, bei dem einer seiner Kunden in panischer Angst vor dem angeschossenen Löwen blindlings davongerannt war - genau vor die Flinte seiner Frau, die ihn erschoß. Noch im Krankenhaus von Nairobi beginnt Hemingway mit der Erzählung "Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber". Danach erholt er sich einen Monat im Stanley Hotel, bevor er zur Expedition zurückkehrt. Nun schießt er überwiegend Nashörner und Kudus.

Kaum zurück in Key West, beginnt Hemingway im Sommer 1934 "Die grünen Hügel von Afrika", eine "durch und durch wahrheitsgetreue Autobiographie", wie er selbst schreibt. Das Buch fällt durch. Die wichtigsten Rezensenten schreiben geringschätzig von einer "Safari wie alle anderen", es sei "größtenteils schlicht langweilig", seine Prosa sei "auf den Hund gekommen". Der Romancier verfällt in die ersten Depressionen, die fortan chronisch werden.

Nachdem er sich erholt hat, beginnt er im Sommer 1935 mit "Schnee auf dem Kilimandscharo" und vollendet im April 1936 beide Meistererzählungen, in denen er sich erstmals mit seinem eigenen Tod beschäftigt. "In Kilimandscharo und Francis Macomber hatte er den Kontakt zu seinem wahren Ich wiedergefunden", schreibt der Biograph Kenneth S. Lynn, der 30 Jahre nach Hemingways Selbstmord den Mythos vom Draufgänger zerpflückt.

Die Nacht in der Lodge wird ruhelos. Die Geräusche der Wildnis dringen hautnah in die Unterkünfte. Um halb sechs ist Wecken. "Jambo, I`am Diwan", begrüßt uns unser indischstämmiger Führer mit breitem Lächeln. Der 1944 geborene Diwan Singh hat Hemingway als neun- und als 13jähriger hautnah erlebt und auf der Pirsch begleiten dürfen. Er trägt einen olivgrünen, britischen Armeepullover. Der schwarze Turban ist kunstvoll nach Art der Sikhs um den Kopf geschlungen. Wir steigen in den dunkelgrün lackierten Landcruiser. Diwan ist Chef der rund zehn Scouts der Buffalo Lodge. Wir haben ihn ausgewählt, weil er uns die Stätten zeigen will, an denen der Schriftsteller seine Buschcamps aufgeschlagen hat.

Diwan ist ein vorsichtiger Fahrer. Der Allradler zuckelt mit fünfzehn Stundenkilometern über die Schotterstraße und zieht eine dichte Staubwolke wie einen nachfliegenden Fallschirm hinter sich her. Das Gras ist verdorrt, Buschwerk und Bäume wirken wie ausgetrocknet. Langsam wird es hell, doch der Horizont und das Kilimandscharomassiv liegen im Dunst tiefziehender Wolkenbänke. Für den "leuchtenden Berg" als Hauptattraktion der Amboseli-Tour - weißgestäubte Elefanten vor der glänzenden Kuppe des Kilimandscharo - gibt es weder Garantie noch Gewähr. Diwans Ehrgeiz ist es, uns die "Big five" zu präsentieren, Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Büffel.

Hemingway hat mit seinen Geschichten erheblich dazu beigetragen, daß die Großwildjagd in Afrika modern und zum Geschäft wurde. Allein in den letzten 30 Jahren sind etwa die Spitzmaul-Nashörner von 100 000 auf heute 2000 dezimiert worden. In den 80er Jahren wurden mehr als 100 000 Elefanten von Trophäenjägern und Wilderern abgeknallt, dreiviertel aller Dickhäuter.

Heute schießen im Amboseli-Park nur noch die Fotografen. Die Grassavanne in 1200 Metern Höhe direkt am Fuße des Kilimandscharo umfaßt 400 Quadratkilometer, auf denen noch rund 500 Elefanten leben. Gegen halb acht passieren wir das steinerne Tor zum Amboseli-Nationalpark. Der Naturpark ist eher klein, rund vierhundert Quadratkilometer groß, weder umzäunt noch in anderer Weise markiert. Mitten im Busch verläuft die Grenze nach Tansania. Die Tiere laufen innerhalb und außerhalb des Parks herum. Im Park achten Ranger darauf, daß sie zumindest hier nicht getötet werden.

Der Nationalpark wird vom Tierreservat umgeben, auf dem die Massai ihre Herden weiden lassen und das noch einmal 4000 Quadratkilometer umfaßt. Löwen, Leoparden und Geparde wurden von den Massai dezimiert, weil die Raubtiere immer wieder die Rinderherden anfielen. Das Öko-System ist schwer beschädigt, bei bis zu 200 SafariBussen pro Tag kein Wunder.

Es herrscht große Trockenheit. Weshalb die Tiere nicht über die Grenze nach Tansania verschwinden, wird uns bald klar: Inmitten der Anlage liegt der Amboseli-See, der jetzt nur noch aus mehreren teichartigen Tümpeln besteht, in dem hin und wieder dicke Flußpferde mit Glubschaugen das Ufer beäugen. Nur die Sumpflöcher locken die Tiere herbei, die wir nun zur Genüge betrachten können: unzählige Zebras mit ihren breiten Hinterteilen; Gazellen in vielfältigen Arten, die friedlich äsen und sich unverhofft in schwebenden Sprüngen davonmachen; Elefantenherden mit bis zu zwanzig Tieren, die bis zum Bauch in den Matsch stapfen; ein paar Wasserbüffel, die ihre Köpfe mit dem massigen Gehörn zum Wittern in den Wind recken.

Safari heißt auf Kisuaheli soviel wie reisen, entdecken. Es gibt genug zu entdecken, doch Löwen, Nashörner, Leoparden und Geparde sind im Amboseli-Park ebenso selten zu sehen wie der Gipfel des Kilimandscharos. Als Diwan einmal stoppt und auf frische Abdrücke im rötlichbraunen Straßenstaub deutet: "Ein Gepard!", sind wir dankbar und halten vor Spannung den Atem an. Die Tatzenspuren verlieren sich jedoch alsbald im unwegsamen Busch.

Im August 1953 kehrt der inzwischen weltberühmte Hemingway nach 20 Jahren Unterbrechung erstmals wieder nach Kenia zurück. Jahrelang hatte er nichts veröffentlicht, doch mit der 1952 erschienenen Erzählung "Der alte Mann und das Meer", für die er den Pulitzerpreis erhält, konnte er seinen angeschlagenen Ruf wieder aufrichten. In Mombasa trifft er seinen alten Safariführer Philip Percival, der ihn wieder auf seine Farm einlädt. Denis Zaphiro, ein Jagdaufseher beim kenianischen Game Department, berichtet 1983: "Er mochte Afrika sehr. Er saß gern hier und sah es sich an. Er wußte instinktiv, wie die Tiere sich verhielten und wo man sie finden würde . . . Und immerzu las er. Ständig trug er Taschenbücher, Zeitungen und Zeitschriften mit sich herum."

Doch Hemingways Zustand ist katastrophal, der Zerfall offensichtlich. Er ist so oft betrunken, daß er aus dem Wagen fällt und beim Schießen meist danebentrifft. Auch gibt er Abschüsse seiner Gefährten als eigene aus, der größte Frevel eines Ehrenmannes. Percival ruft angewidert: "Ach Ernest, hör` bloß auf. Das Ganze war blamabel."

Um seine angeschlagene Männlichkeit zu beweisen, rasiert sich Hemingway den Schädel, weil er als Eingeborener herumlaufen will. Er geht mit einem Speer auf die Jagd, färbt sich die Kleider mit einer rostigen Massai-Farbe und macht im Beisein seiner vierten Frau Mary Welsh, mit der er seit 1946 bis zu seinem Tode zusammenlebt, einem 18jährigen Wakamba-Mädchen namens Debba den Hof, das auf einer Farm in der Nähe des Dorfs Laitokitok lebt. Debba ist für Zaphiro "ein übelriechendes Stück Lagerabfall", aber Hemingway versichert später in einem Brief an einen Freund bei der "New York Times", sein Mädchen sei "schwarz und sehr schön", "ohne jede Scham . . . aber durchaus liebevoll und zärtlich rauh."

Auch Diwan stammt aus Laitokitok an der Grenze zum heutigen Tansania. Dort stellt Hemingway mehrmals seinen Troß zusammen. Diwans Vater, der sich 1896 mit Tausenden von Indern für den Bau der East African Railway verdingte, dann mit einem Handel für Safariausrüstungen in Laitokitok niederließ, gilt als exzellenter Fährtenleser und wird von Hemingway stets als Fahrer angeheuert. "Er wollte sich unbedingt von meinem Vater fahren lassen", erinnert sich Diwan, "ich durfte im Jeep hinten mitfahren." Von der schönen Debba weiß er nichts.

Im Dezember beginnt Hemingway die zweite Safari. Diese Reise wird zum Alptraum. Mehrmals entgeht er knapp dem Tod. Über den Murchison-Fällen in Uganda, wo der Nil in mehreren Stufen hinabströmt, streift Hemingways Buschpilot einen Telegrafendraht. Die Cessna kracht in die Dornenbüsche neben dem Nilufer. Ein Boot nimmt die Verschollenen mit nach Butiaba am Ostufer des Albert-Sees. Zwei Tage später, am 25. Januar 1954, vermelden die Weltblätter den Tod des Romanciers: "Hemingway: Tod am Kilimandscharo".

Beim Weiterflug nach Entebbe mit einer De Havilland explodiert der Motor. Bei der Bruchlandung erleidet Hemingway einen Leberriß, eine Wirbelquetschung und eine Lähmung des Schließmuskels. Aus einer blutenden Kopfwunde sickert Hirnflüssigkeit. Ein paar Wochen später stürzt Hemingway bei einem Buschfeuer an der Küste in trunkenem Zustand in die Flammen. Erst Monate später bei der Rückreise, im April in Venedig, entdecken Ärzte die vielen Verletzungen. Das Haar des Dichters ist plötzlich schneeweiß geworden.

Wieder zurück in Havanna, beginnt Hemingway im Sommer 1954 an einem fiktiven Tagebuch seiner verhängnisvollen Safari zu arbeiten. Nach über anderthalb Jahren besteht das "African Journal" aus 200 000 undisziplinierten Wörtern. Er deponiert das Skript in einem Banksafe. Dort hat es sein inzwischen 70jähriger Sohn Patrick jetzt herausgeholt und auf die Hälfte zusammengestrichen. "True at First Light", so der Titel, stammt aus einer Bemerkung im Buch: "In Afrika ist eine Sache morgens beim ersten Licht noch wahr und mittags schon eine Lüge" und soll pünktlich zum 100. Geburtstag am 21. Juli herauskommen. Die delikate Affäre mit Debba, die auch Mary Welsh in ihren Tagebüchern erwähnt, dient dem Verlag als Aufhänger der Marketingstrategie.

Wir treffen bei der Rückfahrt, nach einem ausgiebigen Buschlunch und einem Besuch der Amboseli-Lodge mitten im Park, am Wegrand auf ein paar vorbeiziehende Massai-Krieger in ihrer roten Toga. Vor einem Kral mit mehreren Hütten steigt Diwan aus. Der Dorfälteste verlangt für eine Besichtigung 1000 Kenia-Schillinge. Dann begrüßt uns Dorfchef Olenjuya herzlich per Handschlag. Er ist noch jung, nennt als Alter "zwischen 42 und 46 Jahre".

Die zwanzig Hütten sind aus Ästen und Lehm errichtet und mit einem Dornenzaun umgeben. Es riecht nach Kuhdung und Schweiß. Olenjuya, der vier Frauen und zwölf Kinder zu seinem Besitz zählt, führt uns zu einer Buschschule. Unter einer Akazie hocken zwanzig Kinder mit großen Köpfen und kleinen Körpern im Halbkreis, starren auf das Gekritzel im Sand und begrüßen uns mit rhythmischem Klatschen. Wir dürfen durch den schmalen Spalt in eine der Hütten schlüpfen, deren Inneres von der Feuerstelle in der Mitte schwarzgeräuchert ist. Die Bettstelle eine Handbreit über dem Boden besteht aus gebundenen Zweigen, ist schmal und hart. Selbst die Massai können dort nur mit angewinkelten Beinen liegen.

Den Spätsommer 1957 verbringt Hemingway zum dritten und letzten Mal in Ostafrika. Inzwischen trinkt er täglich zwei bis drei Flaschen Schnaps und zusätzlich Wein zu den Mahlzeiten. Glaubt man dem Jagdaufseher Zaphiro, ist er "die ganze Zeit betrunken", auch wenn es ihm "selten anzumerken" ist. Mehrere Male besucht "Papa" die Bomas der Massai, wie die Dörfer des Nomadenvolkes genannt werden. Er lädt die Ältesten zum Umtrunk ein und fordert die stärksten Krieger zum Boxkampf heraus. Da der Dichter gut zwei Zentner wiegt und mit einer Größe von 1,88 Meter seine Gegner weit überragt, "hatten die kleinen Massai keine Chance", erzählt Diwan.

Unser Scout glaubt sich noch gut an den "schier unerschöpflichen Vorrat an Whisky" zu erinnern, den Hemingway mit sich herumschleppt und in seine Feldflasche nachfüllt. Die rauhen Späße Hemingways geraten zur Groteske. Immer wenn er stark getrunken hat, ruft er wahllos einen Massai zu sich, steckt ihm eine brennende Zigarette in den Mund und versucht, sie auf zwanzig Schritte Entfernung mit dem Revolver wegzuschießen. "Die Massai schlotterten vor Angst", berichtet Diwan. Hemingway ballert so lange, bis er trifft.

Schon 1949 berichtet ein Freund, Hemingway trinke den Schnaps nur noch "literweise". Eine Szene in "Die grünen Hügel Afrikas" ist bezeichnend. Zehn Tage lang verfolgt der Ich-Erzähler im Landrover vergeblich die Spur von großen Kudo-Böcken, mit einer Whiskyflasche zwischen den Knien, "den ersten Whisky des Tages, den besten, den es gibt". Wenn er dazu "den guten Geruch von Afrika roch", dann fühlt er sich "ganz und gar glücklich". Warum wolle er, ein intelligenter Mensch, unbedingt Kudus schießen, fragt der Österreicher Kadinsky in seiner grotesken Tiroler Tracht, und Hemingway antwortet: "Weil es mir Vergnügen macht."

"Er knallte oft wahllos alle möglichen Tiere ab, die in der Nähe waren", sagt Diwan, "seine Lieblingsopfer waren große Kudus und Löwen." Wir halten in Nyakinyua, einem kleinen Nest auf der Piste nach Kimana. Der Ort besteht aus ein paar Flachbauten und Wellblechhütten. Damals war hier wilder Busch. Ein paar hundert Meter weiter biegt Diwan zu einer Senke mit einem Flüßchen ab. Mannshohes Elefantengras, wie als Kulisse für die Büffeljagd des Francis Macomber. Wir steigen andächtig die Anhöhe hinauf. Diwan zeigt auf eine Stelle unter hohen Schirmakazien, auf der Hemingway sein Camp aufgeschlagen hatte. Wir machen ein paar nichtssagende Fotos.

Der Flieger startet um halb sieben. Wir steigen nachdenklich ein. Auf 1000 Meter Höhe schreckt uns der Pilot mit einer Durchsage auf. Die graue Wolkenwand hat sich einen Spalt geöffnet, dann taucht er unvermittelt auf: der glitzernde Gipfelkranz aus ewigem Schnee und Eis, im Licht der Abendsonne sonderbar geheimnisvoll, der höchste Berg Afrikas, der spätestens durch Hemingway zum Mythos geworden ist. TIPS

Anreise: Ab Berlin-Tegel im Sommer immer mittwochs mit LTU über München nach Mombasa. Der internationale Flughafen von Kilimandscharo in Tansania wird unter anderem von KLM und Air France angeflogen.

Einreise: Deutsche Staatsbürger benötigen in Kenia einen sechs Monate gültigen Reisepaß und dürfen ohne Visum für drei Monate einreisen. In Tansania besteht Visumspflicht. Botschaft der Vereinigten Republik Tansania in Bonn, Telefonnummer: 02 28 / 35 80 51 /54

Gebühren: Bei Auslandsflügen aus Kenia und Tansania beträgt die Gebühr 20 US-Dollar (in Devisen), bei Inlandflügen in Kenia zwei Dollar, in Tansania 20 Dollar.

Der Eintritt für Nationalparks und Wildschutzgebiete ist in Kenia und Tansania einheitlich geregelt: Etwa 20 Dollar pro Person und Tag und zirka fünf Dollar für ein Fahrzeug (in Tansania 30 Dollar).

Impfung: Hepatitis A, Typhus und Gelbfieber (Impfplan mit dem Arzt absprechen!). Malaria-Prophylaxe ist zu empfehlen.

Touren: Trekking auf den Kilimandscharo. Der viertägige Aufsteig über die etwas anspruchsvollere Machame-Route führt über das Shira Plateau zum Uhuru Peak. Volle Verpflegung, am dritten und neunten Tag Halbpension. Führer, Träger sowie Hütten- und Campinggebühren inklusive. Der Eintritt in den Park am Kilimandscharo beträgt zusätzlich zirka 380 Dollar. Teilnehmerzahl: vier bis sieben Personen pro Gruppe. Zwei Wochen, davon fünf Tage Badeurlaub in Mombasa, kosten 3980 Mark. Flug ab Berlin-Tegel, mit Swissair, via Zürich nach Kilimandscharo-Flughafen, für sechs Termine zwischen dem 24. Juli und 9. Oktober.

Auskunft: Reiseservice Afrika, Telefonnummer: 0 89 / 8 11 90 15.

Ein anderer Anbieter geht die Besteigung von der leichteren Marangu-Hauptroute an. Zwei Wochen kosten hier, an zwei Terminen zwischen 30. Juli und dem 9. Oktober, 4575 Mark. Eintrittsgebühren in den Park inklusive. Teilnehmerzahl: mindestens zwölf und maximal 18 Personen. Unterbringung: viermal im einfachen Hotel im Doppelzimmer/Halbpension, fünfmal in Hütten im Mehrbettzimmer/Vollverpflegung und fünfmal in Mittelklassehotels im Doppelzimmer/Vollverpflegung. Reiseleitung, Führer, Träger inbegriffen. Der Hinflug führt über Amsterdam nach Kilimandscharo-Flughafen. Nach dem Trekking, am zehnten Tag, geht es mit dem Flugzeug nach Sansibar und, nach einem viertägigen Badeurlaub, per Schiff nach Dar-es-Salaam, von dort Flug nach Deutschland. Auskunft: Wikinger Reisen, Telefon: 0 23 31 / 90 47 41. Ein Visum ist bei beiden Reisen erforderlich!

Literatur: Polyglott Reiseführer Kenia, 12,80 Mark.

Auskunft: Staatliches Verkehrsbüro der Republik Kenia, Neue Mainzer Straße 22, 60311 Frankfurt am Main; Telefonnummer: 069 / 23 20 17, Fax: 069 / 23 92 39. nin

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