Zeitung Heute : Auf der Entertainment World der IFA präsentiert sich erstmals die PC-Spiele-Branche

Bertram Küster

Die Branche der Unterhaltungssoftware hat dieses Jahr zum ersten Mal Gelegenheit, sich auf der IFA zu präsentieren. Ein wichtiger Schritt, denn selbst die CeBIT verwehrte bislang dem bunten Treiben der Computer- und Videospiele-Industrie einen größeren Auftritt. So konnten sich die Macher im letzten Jahr erstmals in Deutschland auf der kleinen CeBIT Home einer größeren Öffentlichkeit zur Schau stellen.

Zwar ist der Bekanntheitsgrad der neuen Unterhaltungsform seit den Zeiten von Pac Man, Super Mario und Co rapide gestiegen, doch davon, dass dahinter längst auch ein gigantischer, stetig wachsender Markt steht, wird hierzulande und in weiten Teilen Europas kaum Notiz genommen. Der weltweite Umsatz der Branche liegt inzwischen bei über 10 Milliarden US-Dollar, wovon der Bärenanteil an die USA abfällt. Große Hollywood-Studios kooperieren mit aufsteigenden Spieleschmieden, Größen des Show-Business sondieren das neue Terrain. So leiht David Bowie einem Computerspiel von Eidos in Kürze sowohl seine Fähigkeiten als Musiker als auch sein Konterfei, BestsellerAutor Michael Crichton ("Jurassic Park") will sogar eine eigene Spielefirma gründen.

Mehrjährige Entwicklungszeiten mit Millionen-Budgets für einzelne Titel sind in den USA keine Seltenheit. In Deutschland, immerhin dem zweitgrößten PC-Spielemarkt der Welt, können die wenigen Entwickler, die es überhaupt gibt, von solchen Bedingungen nur träumen und klammern sich derweil an alte Gewohnheiten. Fußball-Manager und Aufbau-Spiele gehören in Deutschland zu den beliebtesten Genres. Einzelne Titel wie "Anno 1602" von Sunflowers oder BlueBytes "Siedler" können sich auf nationaler Ebene gegen die Konkurrenz aus Übersee und England durchsetzen. Außerhalb des deutschsprachigen Raumes haben sie jedoch kaum eine Chance.

Auch auf der EntertainmentWorld der IFA (Hallen 3.1 und 4.1) werden die deutschen Firmen im Schatten der Branchenriesen stehen. Denn zum einen können auch die ausgezeichneten Edutainment-Titel von Ravensburger Interactive und dem Tivola Verlag technisch mit den Hi-End-Produkten nicht mithalten, zum anderen werden Electronic Arts, Activision oder Infogrames mit entsprechenden Werbe-Budgets, Masse und Klasse die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Zu den Highlights gehört mit Sicherheit der aktuelle Hit "Outcast" aus dem Hause Infogrames. Das Action-Adventure hat es in kürzester Zeit geschafft mit seinem Helden Cutter Slade die Vormachtstellung einer gewissen Lara Croft zu attackieren und nebenbei eine der bislang realistischsten virtuellen Welten zu erzeugen. Electronic Arts protzt nicht nur mit seinen unerreichten Standards der EA-Sports-Reihe, wie etwa dem neuesten, auf den deutschen Markt ausgelegten "Bundesliga Stars 2000", sondern wird auch mit einigen der hauseigenen Labels für Furore sorgen. Dazu gehören unter anderem die Firma Westwood, die das heiß erwartete "Command & Conquer 3" zur IFA mitbringt oder Bullfrog, die mit dem Strategie-Spiel "Dungeon Keeper 2" ebenfalls einen Klassiker neu aufgelegt haben. Star Trek-Fans kommen bei Activision auf ihre Kosten. Gleich drei neue Spieletitel rund um die Science Fiction-Serie hat die Firma im Programm und bedient dabei gleichzeitig drei der beliebtesten Genres: 3D-Action ("Voyager Elite Force"), Adventure ("Der Aufstand") und Echtzeit-Strategie ("Armada"). Showeinlagen, Gewinnspiele, Radio- und TV-Übertragungen auf den Ständen der Aussteller werden für weitere Unterhaltung sorgen. Und wer angesichts der neuesten PC-Spiele feststellen muss, dass das heimische System den Ansprüchen mal wieder nicht genügt, kann sich auf der EntertainmentWorld auch über aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Hardware und Spielezubehör auf den neuesten Stand bringen.

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