Zeitung Heute : Auf der IFA werden Outdoor-Handys und Internet-Empfangsgeräte für die Westentasche präsentiert

Susanne Erdl

Seit das Handy den Sprung in den Massenmarkt geschafft hat, scheint die mobile Begeisterung keine Grenzen mehr zu kennen: Moderne Internet-Handys, regen- und stoßfeste Mobiltelefone für Extremsportler, Tri-Band-Handys für Weltreisende, mobile Bildtelefone und sprachgesteuerte Komfort-Apparate. All diese Geräte wird es ab 28. August auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin zu sehen geben - mit garantiertem Publikumsansturm. Das Handy gehört inzwischen in nahezu jeder Lebenslage dazu, versichert die Industrie, und wartet flugs mit den passenden Geräten auf. Analysen zeigen, dass der Markt noch lange nicht gesättigt ist: In Deutschland telefoniert bisher jeder Fünfte mobil, und das ist im Vergleich mit anderen Industrienationen nicht gerade viel. In Italien, Europas Handy-Nation Nummer eins, ist es fast schon jeder Zweite.

Die größte Aufmerksamkeit dürften auf der IFA wohl jene Hersteller und Mobilfunkbetreiber auf sich ziehen, die marktreife Internet-Handys im Programm haben. Surfen via Handy bedeutet, unabhängig von Standort, PC und Steckdose abgespeckte Infos aus dem weltweiten Datennetz zu ziehen oder von unterwegs Bankgeschäfte tätigen zu können: Kurzes Navigieren durchs Menu, und schon erscheinen aktuelle Börsenkurse, Veranstaltungstips, der Wetterdienst, Flugpläne, E-Mails, der Kontostand oder Weltnachrichten auf dem mobilen Mini-Bildschirm. Mit von der Partie sind die führenden Gerätehersteller wie Ericsson, Nokia und Motorola sowie die Netzbetreiber Mannesmann Mobilfunk, T-Mobil, Viag Interkom und E-Plus.

Das Internet im Westentaschenformat hat allerdings noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen: Noch ist es inhaltlich recht mager, zu langsam und zu teuer. Um aufs kleine Handy-Display zu passen, müssen die Internet-Inhalte eigens aufbereitet und stark eingedampft werden. Bilder, Ton und Animationen fallen größtenteils weg. Was übrig bleibt, bringt den Handy-Nutzer zwar immer auf den neuesten Stand, erinnert optisch aber eher an Videotext als an die endlosen Weiten des Internet. Dennoch erhoffen sich die Firmen das große Geschäft, schließlich weisen Datenübertragungen noch rasantere Wachstumsraten auf als der Sprachverkehr. Das lässt sich bereits an der großen Beliebtheit der Kurzmitteilungen ablesen, die mit wenig Aufwand per Handy verschickt werden können.

Einen Marketing-Clou hält Ericsson für die IFA parat: Das Outdoor-Handy "R250s Pro" mit fest integrierter Freisprecheinrichtung, mit dem man selbst dann telefonieren kann, "wenn man im Kletterseil hängt oder mit dem Mountainbike offroad unterwegs ist". Das gummiverstärkte Gerät hält Regen, Spritzwasser, Staub und Erschütterungen stand ist damit geradezu prädestiniert, zum Kultartikel der fun-orientierten "Now Generation" zu werden. Aber auch für Bauarbeiter und Handwerker, die bei Wind und Wetter erreichbar sein müssen, sei das "R250s Pro" ein Muss, versichert der schwedische Hersteller.

Breiten Raum werden sogenannte Dual-Band-Handys auf der Funkausstellung einnehmen, die problemlos im D-Netz und im E-Netz genutzt werden können. Motorola kündigt sogar das weltweit erste Tri-Band-Handy an, das außer den in Europa verbreiteten Frequenzbereichen 900 MHz und 1800 MHz auch das in den USA verwendete 1900-MHz-Band beherrscht. Damit kann zumindest in den digitalisierten Ballungszentren Nordamerikas und Kanadas ohne Gerätewechsel mobil telefoniert werden. Bei den in den USA ansonsten üblichen analogen Handy-Netzen muss auch der Motorola-Neuling passen.

Besserung verspricht erst der von der Branche sehnsüchtig erwartete Mobilfunkstandard UMTS, der ab frühestens 2002 den ersten weltumspannenden Handy-Standard bringen wird. Bis dahin lassen nur sperrige Satelliten-Handys den Traum von der uneingeschränkten Erreichbarkeit wahr werden - für umgerechnet fünf bis sechs Mark Gebühr pro Gesprächsminute.

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