Zeitung Heute : Auf der Spur

Friedhard Teuffel

Mit einer DNS-Analyse ist es deutschen Ermittlern gelungen, die Blutbeutel aus der spanischen Dopingaffäre Jan Ullrich zuzuordnen. Was beweist das Ermittlungsergebnis?


Als die Dopingbekämpfung noch ganz jung war, da galt nur ein Sportler mit positiver Dopingprobe als überführt. Jan Ullrich wäre daher ein beinahe sauberer Athlet, denn außer einer Partydroge konnte dem Radrennfahrer nie die Einnahme eines verbotenen Mittels nachgewiesen werden. Inzwischen hat sich in der Dopingbekämpfung jedoch einiges getan. Es wird schließlich mit Mitteln und Methoden gedopt, die nicht mit den gewöhnlichen Kontrollen zu finden sind. Daher suchen die Dopingfahnder des Sports und des Staats vermehrt nach Indizien. Es sind auch in der Tat schon Sportler allein aufgrund von solchen Indizien wegen Dopings verurteilt worden. Einen Beweis, dass Jan Ullrich gedopt hat gibt es nicht – aber doch einige Indizien.

Die Blutkonserven aus Spanien gehören zu diesen Indizien. Neun sollen es insgesamt sein, die Ullrich zugeordnet werden können. Auch wenn Ullrichs Verteidiger noch von einer möglichen Manipulation sprechen – durch die nun untersuchten Blutkonserven lässt sich so gut wie sicher belegen, dass Ullrich mit einem Arzt zusammengearbeitet hat, der als Kopf eines internationalen Dopingnetzwerks gilt. Bei Eufemiano Fuentes sollen viele Radprofis und andere Spitzensportler ein- und ausgegangen sein. Auf einer Liste der spanischen Behörden tauchten allein 37 Radprofis auf, die zu Fuentes’ Kundschaft gezählt haben sollen. Jan Ullrich hatte bisher immer bestritten, diesen Arzt überhaupt zu kennen. Der DNS-Abgleich überführt ihn nun der Falschaussage.

Bis zum Nachweis von Doping ist es jedoch noch ein ganzes Stück. In der Tat könnten allein die Blutkonserven schon zur verbotenen Leistungssteigerung dienen. Blutdoping funktioniert so: Dem Athleten wird zum Beispiel bei einem Höhentrainingslager Blut abgenommen. Seine Blutwerte sind dann besonders günstig, durch die Höhenluft hat er mehr rote Blutkörperchen angesammelt, die für den Sauerstofftransport zuständig sind. Das verbessert die Ausdauerleistung des Athleten. Das Blut wird dann meist kurz vor dem Wettkampf wieder per Infusion zurückgeführt. Das Blut kann auch mit dem Dopingmittel Erythropoetin, kurz Epo, behandelt werden. Spuren davon könnten noch in den untersuchten Blutkonserven gefunden werden. Das wäre ein weiteres Indiz.

Dass Ullrich sein Blut bei dem Arzt ausdrücklich zu Dopingzwecken gelassen hätte, kann ihm die Staatsanwaltschaft allerdings nur schwer nachweisen. Der eigentliche Dopingbeweis, also eine Urin- oder Blutprobe, ist bei dem zurückgetretenen Radrennfahrer nicht mehr möglich. Und weil zudem weder Jan Ullrich noch Eufemiano Fuentes ausreichend zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen eingelassen haben, bemüht sich die Staatsanwaltschaft um die Verknüpfung mehrerer Indizien zu einer Kette.

Dabei ist sie auf die Ergebnisse der spanischen Ermittler angewiesen. Die hatten nicht nur Blutkonserven gefunden, sondern umfangreiches Material gesammelt, beispielsweise Zahlungsbelege. Für seine Dienste soll Fuentes fünfstellige Summen verlangt haben. Einen Teil dieses Zahlungsverkehrs können die Ermittler angeblich abbilden. SMS zwischen Fuentes und Ullrichs sportlichem Berater Rudy Pevenage gehören dazu, zudem Faxe und andere Kontakte. Diese Kontakte hatten auch dazu geführt, dass Jan Ullrichs ehemaliger Arbeitgeber T-Mobile sich im vergangenen Sommer von ihm getrennt hatte. Anhand der SMS und Faxe will die Bonner Staatsanwaltschaft die Verbindung zwischen Ullrich und dem spanischen Arzt Fuentes nachzeichnen. Aus vielen kleinen Teilen soll so ein komplettes Bild entstehen – seit gestern sind dessen Konturen etwas schärfer geworden.

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