Zeitung Heute : Auf die Art kommt es an

Dagmar Dehmer

Japan hat am Sonntag zum ersten Mal seit 20 Jahren eine Abstimmung in der Internationalen Walfangkommission gewonnen. Bedeutet dies, dass in Zukunft wieder kommerziell Wale gefangen werden können?


Japan hat es bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) geschafft, eine Deklaration durchzubringen, die das Walfangverbot von 1986 für „nicht mehr notwendig“ erklärt. Gefordert wird, die IWC solle zu ihrem ursprünglichen Zweck zurückkehren und lediglich Fangquoten aushandeln. Wale seien Konkurrenten des Menschen und würden so viele Fische wegfressen, dass in einigen Küstenregionen die Ernährungssicherheit in Frage gestellt sei, heißt es darin. Das Dokument wurde von 33 Staaten unterstützt, darunter dem EU-Land Dänemark, 32 stimmten dagegen, unter ihnen Deutschland.

Die Resolution bedeutet allerdings nicht, dass der kommerzielle Walfang jetzt wieder möglich wird. Es gehe „nur eine politische Erklärung, die nicht bindend ist“, sagt Andreas Christian Teuber, Sprecher des Berliner Agrarministeriums. Dennoch halten Umweltschützer die Entscheidung für „katastrophal“, wie Volker Homes vom WWF sagt. Denn damit werde der gesamte Walschutz in Frage gestellt.

Nikolas Entrup von der Delfin- und Walschutzorganisation WDCS befürchtet, Japan könnte mit der Erklärung die nächste Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) unter Druck setzen. Würde dort entschieden, dass Walfleisch wieder gehandelt werden darf, wäre das seit 1986 geltende Moratorium in Frage gestellt. Entrup ärgert vor allem, dass Dänemark zusammen mit den Walfangnationen Japan, Norwegen und Island gestimmt hat, die das Moratorium seit Jahren ignorieren und weiter Wale fangen, wenn auch unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“. Rund 2000 Wale werden in diesem Rahmen jährlich getötet. Japan hat sogar wieder damit begonnen, Finnwale zu jagen, die auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen.

Stefanie Werner von Greenpeace bezeichnet die Abstimmungsniederlage der Walschützer als „Weckruf“. Sie wirft den Walschutznationen Passivität vor, zumal seit Jahren absehbar gewesen sei, dass Japan mit Zusagen in der Entwicklungshilfe immer neue Länder in der Karibik, dem Pazifik und Afrika für die IWC wirbt, um das Stimmenverhältnis zu kippen.

Zwar hat das Moratorium „hunderttausenden Walen das Leben gerettet“, wie Nikolas Entrup sagt. Dennoch konnten sich die Bestände auch innerhalb der vergangenen 20 Jahre nicht erholen. Der „Nordkaper“ beispielsweise steht schon seit den 30er Jahren unter Schutz; und dennoch gibt es nur noch ein paar hundert Exemplare davon. Greenpeace fordert deshalb große Schutzgebiete auf hoher See. Denn Wale und Delfine sind nicht nur durch die Jagd gefährdet. Tausende verenden in Fischernetzen, die zunehmende Nutzung auch der hohen See zerstört zudem ihre Lebensräume.

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