Zeitung Heute : Auf die Haut geschaut

Mit Lasern soll die klinische Diagnostik bei Krebspatienten verbessert werden.

Susanne Hörr
Lasermodul im Briefmarkenformat. Forscher arbeiten an einem Scanner, der in die Hemdtasche passen soll. Foto: TU Presse/Dahl
Lasermodul im Briefmarkenformat. Forscher arbeiten an einem Scanner, der in die Hemdtasche passen soll. Foto: TU Presse/Dahl

Normalerweise trennen Mediziner und Physiker Welten. Die einen haben mit menschlichen Körpern zu tun, die anderen mit Festkörpern. Bei den einen kann eine Fehlerquote von weniger als 50 Prozent einen Erfolg bedeuten, bei den anderen ist sie eine Katastrophe. Nun haben beide eine gemeinsame Vision: Im Forschungsvorhaben „Haut-Scan“ wollen Wissenschaftler der Charité und der TU Berlin in Zusammenarbeit mit dem Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik medizinische Forschung mit neuen Methoden der Optoelektronik verknüpfen. Die Einstein-Stiftung fördert das Projekt. Es ist eins von insgesamt sechs Einstein-Forschungsvorhaben der TU Berlin, die mit 4,8 Millionen Euro finanziert werden.

Aufhänger ist das „Hand- und Fußsyndrom“, ein Problem, das bei Krebspatienten häufig auftritt: Das Chemotherapeutikum Doxorubicin hat die Eigenschaft, erst durch die Haut auszutreten und dann wieder in sie einzudringen, wodurch es die Haut zerstört. Oft muss die Therapie dann abgebrochen werden.

„Die Idee ist nun, mit optischen Verfahren zu kontrollieren, wann die Substanzen nach dem Verabreichen wieder herauskommen, um dann festzustellen, wie man dagegen vorgehen kann“, sagt Bernd Sumpf, Physiker am Ferdinand-Braun-Institut. Eine derartige Methode hätte einen großen Vorteil: Sie ist nicht-invasiv, das heißt, durch sie erhielte man Informationen ohne eine Blutabnahme oder andere Eingriffe. Doch das liegt noch weit in der Zukunft, zunächst müssen die Grundlagen erforscht werden.

Im ersten Schritt wollen die Mediziner um Jürgen Lademann an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité herausfinden, welche Substanzen genau zu messen sind. Sind sie bekannt, können die Physiker um Günther Tränkle, TU-Professor für Mikrowellen- und Optoelektronik und Direktor am Ferdinand-Braun-Institut, aktiv werden.

Sie haben das Wissen und die technischen Möglichkeiten, um präzise Halbleiterlaser zu entwickeln. Diese Lichtquellen sind nötig für ein Verfahren namens Raman-Spektroskopie. Es basiert auf folgendem Zusammenhang: So wie jeder Mensch einen individuellen Fingerabdruck besitzt, zeigt auch jede chemische Substanz ein einzigartiges Raman-Spektrum. Wenn man diese also mit einem Laser anregt, streut sie das Laserlicht in einer charakteristischen Weise zurück und wird so erkennbar (Raman-Effekt).

Die Spezialisten für optische Systeme stehen hier vor zwei Herausforderungen. Sie müssen einerseits eine Lichtquelle entwickeln, die im grün-blauen Bereich strahlt. „Für unsere Messungen brauchen wir Lichtquellen mit Eigenschaften, die in diesem Wellenlängenbereich heute noch kein kommerzieller Laser bietet“, sagt der Physiker Sumpf. Außerdem wollen die Wissenschaftler ein kompaktes Messsystem konstruieren, das die Ärzte leicht mit sich führen können. Waren bisherige Apparaturen etwa so groß wie ein Kleiderschrank, wollen die Forscher die Apparate radikal verkleinern: die Messsonde soll etwa die Größe eines Laserpointers haben, das Spektrometer und ein Netzteil in einem Aktenkoffer Platz finden.

Drei Jahre, so lange läuft das Projekt, haben die Berliner Wissenschaftler dafür Zeit. „Medizin und Physik zusammenzubringen ist eine große Chance. Wenn hieraus neue Verfahren und Geräte entstehen, profitieren alle: Wissenschaftler, Patienten und nicht zuletzt der Gesundheitsstandort Berlin“, betont Tränkle. Susanne Hörr

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben