Zeitung Heute : Auf Distanz

Maren Peters

Der Bundestag berät das Gentechnikgesetz. Was müsste passieren, um den Streit der Bauern über genveränderten Mais beizulegen?

Es scheint geradezu unmöglich zu sein, dass Gegner und Befürworter von gentechnisch verändertem Raps oder Mais sich jemals vertragen werden. Dabei haben die Gesetzgeber in Brüssel und Berlin eine Menge getan, um Biobauern und konventionellen Landwirten eine harmonische Nachbarschaft zu ermöglichen. So hat die EU eine Richtlinie verabschiedet, die das Nebeneinander des Anbaus genveränderter und traditionell angebauter Pflanzen regelt. Mit der Novelle zum Gentechnikgesetz, die der Bundestag an diesem Freitag mit rot-grüner Mehrheit verabschieden will, setzt die Bundesregierung diese Richtlinie um.

Kritiker meinen allerdings, dass die Regierung durch allzu strenge Haftungsregeln zu viel für den Schutz der Biobauern getan hat – und den Anhängern der Gentechnik keine Chance lässt. Der Deutsche Bauernverband rät seinen Mitgliedern, wegen des hohen Haftungsrisikos keine so genannten transgenen Pflanzen anzubauen. Der Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Horst Rehberger (FDP), hat mit einer Verfassungsklage gedroht, sollte die Bundesregierung das Gesetz nicht freiwillig zurückziehen.

Biobauern befürchten, dass genetisch veränderte Pflanzen ihre neuen Gene auf benachbarte Pflanzen verteilen und diese „verunreinigen“ könnten. Für die Öko-Landwirte ist das ein Problem, weil ihre Kunden erwarten, dass sie gentechnikfreie Ware produzieren. Umgekehrt pochen Befürworter auf das Recht, gentechnisch veränderten Raps oder Mais anzubauen, weil sie sich dadurch Vorteile versprechen – etwa durch geringere Anfälligkeit gegen Schädlinge. Die Gegner warnen dagegen vor unkontrollierbaren Folgen für die Biodiversität und einer zu großen Abhängigkeit der Bauern von der Industrie, die die Gensaaten produziert und durch starke Patente schützt.

Das Problem: Wenn transgene Pflanzen einmal in der Welt sind, ist es schwer, sie zu kontrollieren. Nach Erkenntnissen der europäischen Umweltagentur aus dem Jahr 2002 können Bienen die Pollen von Rapspflanzen bis zu fünf Kilometer weit tragen. Maispollen könnten mit dem Wind sogar bis zu 200 Meter weit fliegen. Nach einer am Mittwoch vorgestellten Studie der Universität Halle reicht dagegen ein Abstand von 20 Metern zwischen einem konventionell bebauten Maisfeld und einem Feld mit genverändertem Mais, um „wesentliche Verunreinigungen“ des konventionellen Mais zu vermeiden. Verbraucherministerin Renate Künast will in einem Verordnungsentwurf einen Mindestabstand von 1000 Metern vorschreiben. Wer Recht hat, kann derzeit niemand eindeutig beantworten. Und darum geht der Streit zwischen Biobauern und konventionellen Landwirten weiter – notfalls eben vor Gericht.

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